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Einführung: Patrick Holzapfel

Am 31. Juli 1914 wird der sozialistische französische Politiker Jean Jaurès von dem nationalistisch gesinnten Attentäter Raoul Villain ermordet, der wiederum 1936 auf Ibiza einen gewaltsamen Tod findet. Gemeinsam mit seinem Redakteur Hajo Schedlich sucht Jonatan Briel die Orte dieser politischen Gewaltgeschichte auf, im Rahmen der Recherche für einen Spielfilm, dessen Hauptrolle Briels enger Freund Ronald Steckel spielen soll. In teils dokumentarischen, teils experimentellen Bildern wird dabei in einem offenen und reflexiven Prozess die Vergangenheit mit der Gegenwart verbunden. „Tago Mago ist ein bewusst scheiternder Film, an dessen Making-of wir teilhaben können. Der eigentlich geplante fiktionale Film über Raoul Villain wird nie gedreht. Stattdessen besteht der Film aus dem Material, das er auf dem Weg zu seinem Scheitern gesammelt hat. Das Scheitern jedoch ist fiktiv, eine bloße Behauptung, ein Spiel. Der fiktionale Film ist nur ein Vorwand, der einen Anlass gibt, um überhaupt zu filmen. […] Ob man in Tago Mago nun einen Film über die Vergangenheit oder die Gegenwart sieht, erzählt mehr über die Gegenwart als die Vergangenheit. An dieser Ohnmacht vor dem Erzählen, dieser Unmöglichkeit einen Sinn aus dem Erzählten zu schöpfen, ist Briel eigentlich gelegen.“ (Patrick Holzapfel in Die Bilderwelten des Jonatan Briel) (fl)

Patrick Holzapfel arbeitet als Autor, Filmemacher und freier Kurator. 

Tago Mago