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  JIŘÍ MENZEL

 

JIŘÍ MENZEL
WERKSCHAU ZUM 75. GEBURTSTAG

Der am 23. Februar 1938 geborene Jiří Menzel gehört zu den wichtigsten Vertretern der Tschechoslowakischen Neuen Welle, jener Aufbruchs- und Erneuerungsbewegung in der ČSSR der 1960er Jahre, deren Mitglieder, wie Menzel einmal sagte, vergleichbare Auffassungen von Moral, Sexualität und Politik gehabt hätten. Die meisten seiner Filme fußen auf Stoffen und Geschichten tschechischer Schriftsteller, allen voran denen Bohumil Hrabals, mit dem Menzel bis in die 1980er Jahre an Drehbüchern seiner Filme zusammengearbeitet hat. Was Menzels Filme einzigartig macht, ist ihre Poesie des Komischen: eine leichtfüßig in der Schwebe gehaltene Ironie, die mitunter ins Groteske umzuschlagen vermag, das Karikierende und Satirische jedoch meidet. Dörfliches Leben und historische Übergangszeiten – die beiden bevorzugten Stoffe seiner Filme – beobachtet Menzel mit einer liebevollen Sympathie für alles Genussvolle, Fröhliche und Schöne: eine Strategie, die auch eine sanfte Kritik am politischen System der ČSSR ins sich barg.

Jiří Menzel
Ostře sledované vlaky
Scharf beobachtete Züge / Liebe nach Fahrplan

ČSSR 1966, R: Jiří Menzel, B: Bohumil Hrabal, Jiří Menzel, K: Jaromír Šofr, D: Václav Neckář, Vladimír Valenta, Josef Somr, Jitka Bendová, Libuše Havelková, 92'      35 mm, OmU

Die nationalsozialistische Besatzungsmacht durchkreuzt den idyllisch abgelegenen Bahnhof in Form „scharf beobachteter Züge", die Munition transportieren. Umgeben von einem taubenliebenden Bahnvorsteher, einem erotomanen Signalgeber und einem müßiggängerischen Wächter versucht der neue Bahnlehrling Miloš verzweifelt, seine Jungfräulichkeit zu verlieren. Erst die Widerstandskämpferin Viktoria Freie macht Miloš zum Mann. Miloš' mit allgegenwärtiger Sinnlichkeit und offener Lüsternheit gespickte „éducation sentimentale" explodiert dabei regelrecht in einem Akt heldenhafter Kriegssabotage.
Knapp 30jährig erhält Jiří Menzel für sein Debüt 1967 den Oscar. Newsweek verneigt sich vor Menzels „Geschmack, Phantasie, Einfachheit und Zartheit", die „die meisten amerikanischen Regisseure zutiefst beschämen sollte", während der bundesdeutsche Filmdienst 1968 entsetzt ist ob des „derben, mit schwüler Erotik vollgestopften Volksschwanks". Ewald Schorm und Vera Chytilová, Protagonisten der tschechischen Neuen Welle, hatten die Verfilmung der Novelle von Bohumil Hrabal abgelehnt, in Menzel fand Hrabal dann einen Seelenverwandten: einen kongenialen Mitstreiter um Humanität und systemkritische individuelle Freiheit. (ir)

am 23.2.2013 um 19.00 Uhr
am 24.2.2013 um 20.30 Uhr

 



Jiří Menzel
Skřivánci na nití
Lerchen am Faden

ČSSR 1969, R: Jiří Menzel, B: Bohumil Hrabal, Jiří Menzel, K: Jaromír Šofr, Petr Cech, D: Václav Neckář, Jitka Zelenohorská, Leoř Suchařípa, Rudolf Hrušínský, Vladimír Ptáek, 90'      35 mm, OmU

Ein Philosoph, der sich sozialistischer Bücherverbrennung widersetzte, ein Staatsanwalt, der am Recht auf Verteidigung festhielt, ein Musiker, dessen Saxophon als dekadentes Instrument gebrandmarkt wurde, ein Koch, der am Sabbat die Arbeit verweigerte; ein Tischler, ein Friseur, ein kommunistischer Milchmann: Auf dem Schrottplatz des Hüttenkombinats in Kladno ist die renitente Brigade angehalten, sich im Arbeitsprozess der Einschmelzung von Schreibmaschinen und Kruzifixen von bürgerlicher Herkunft und Einstellung zu befreien. Nebenan verbüßen weibliche Republikflüchtige Arbeitslagerstrafen und die listig herbeigeführte, einfache Berührung menschlicher Haut wird zum Residuum umfassenden Widerstands. Die Kamera fliegt über den Schrottplatz. Streikende lümmeln genüsslich, bevor sie zum Verschwinden gebracht werden. Zwischen Slapstick und Satire, in märchenhaft-poetischer Erzählweise findet sich ein junges Liebespaar. Pavel, der junge jüdische Koch, folgt zuletzt dem Milchmann und dem Philosophen in den dunklen Kohlenschacht des Straflagers, seine Braut aber wird auf ihn warten.
Der Prager Frühling des Jahres 1968 machte Menzels dritten, nach Kurzgeschichten von Hrabal in gemeinsamer Arbeit geschriebenen Film über die Wirkungen sowjetischer Okkupation möglich. Die Invasion im Sommer brachte Menzel dann ein Arbeitsverbot ein und Lerchen am Faden in den Giftschrank. Mit dem zweiten Prager Frühling 1990 auf der Berlinale uraufgeführt und mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet, wurde der Film mit Frank Beyers Spur der Steine verglichen: „ein Werk von schlitzohriger Opposition, ein listiges und geistreiches Spektakulum" (Berliner Morgenpost). (ir)

am 26.2.2013 um 20.00 Uhr
am 1.3.2013 um 21.00 Uhr



Jiří Menzel
Rozmarné léto
Ein launischer Sommer

ČSSR 1968, R: Jiří Menzel, B: Václav Nývlt, Jiří Menzel, K: Jaromír Šofr, D: Rudolf Hrušínský, Vlastimil Brodský, Míla Myslíková, František Řehák, Jana Drchalová, 74'      35 mm, OmU

Sommer auf dem Lande: Die Leidenschaft ist für den Badehausbesitzer Antonín und dessen Freunde, dem kirchlichen Kanoniker Roch und dem Major Hugo, zu einer Sache der Betrachtung geworden, was von Antoníns üppiger und lüsterner Frau Katerina bedauert wird. Als Repräsentanten des Bürgertums geben sich die Drei der Reflexion, der sie umgebenden Schönheit und der Nostalgie ihrer provinziellen Welt hin, bis sie eines Tages die Zirkus-Karawane des Seiltänzers Arnoštek und dessen schöne blonde Assistentin Anna erreicht. Fortan ringen die Männer um die Verführung Annas mit ihren geheimsten Wünschen.
„Mysterien und Zerstreuung" verspricht Arnoštek, ein Alter Ego Menzels, den er in seiner Verfilmung der Novelle von Vladislav Vančura selbst spielt. An Arnoštek, dem Künstler mit dem tiefroten Umhang, konturiert sich in einer bitteren Farce der revanchistische Geist der Kleinbürger: Weil der Seiltänzer einmal doch fallen müsse, rüttelt ein erboster Zuschauer an dem Seil, bis dieser fällt. Um Spenden für den verletzten Artisten gebeten, antworten die Anwesenden, er wäre keineswegs arm dran und verdiene vielmehr Prügel. Peter Hames vergleicht Menzels zweiten Film mit Franjus Judex und sieht Bilder, die an Bergman und Renoir erinnern. In Karlovy Vary gewinnt das Porträt einer Gesellschaft, die von der Mechanik der Moderne abgelöst werden wird, 1968 den Hauptpreis. (ir)

am 2.3.2013 um 19.00 Uhr
am 3.3.2013 um 20.30 Uhr



Jiří Menzel
Báječní muži s klikou
Die wunderbaren Männer mit der Kurbel

ČSSR 1978, R: Jiří Menzel, B: Oldřich Vlček, Jiří Menzel, K: Jaromír Šofř, D: Rudolf Hrušínský, Jiří Menzel, Blažena Holišová, Vlasta Fabianová, Vladimír Menšík, 84'      35 mm, OmU

„Heitere Kinokurbel" tituliert das Neue Deutschland, „Liebeserklärung" die Leipziger Volkszeitung. Dabei ist Menzels zweite Komödie nach Aufhebung seines Arbeitsverbots eine scharfsinnige Chronologie des Scheiterns. Als armer Wanderarbeiter des Kinos tingelt Wilhelm mit den ersten bewegten Bildern durch böhmische Dörfer und nistet sich in seiner Not bei einer wohlhabenden Witwe ein, um an Kapital für ein ortsfestes Kino zu gelangen. Die Unternehmer der Jahrmarktattraktion kaufen Degenfilme und Pariser Schlüpfrigkeiten ein; nur Wilhelm interessiert sich für den jungen, von Menzel selbst gespielten Kameramann und dessen Prager Alltagsbeobachtungen, die ein Kino aus der Wirklichkeit der Menschen heraus versprechen. Eine Prager Diva soll eine eigene nationale Kinematografie etablieren. Gierig nach ihrem Selbstbild, verkennt sie den technischen Prozess der Bildbearbeitung. Am Ende produzieren der durch bürgerliche Heirat geadelte Unternehmer und sein Kameramann Historienepen: Die Chance auf ein realitätsnahes Kino ist bereits in dessen Anfängen vertan. „Jiří Menzel erzählt dies in teils heiter, teils wehmütig stimmenden Episoden, in denen er virtuos verschiedene filmische Ebenen ineinanderfließen läßt: die illusionäre Verzückung angesichts zappelnder Schwarz-Weiß-Bilder der ersten Stunde – von Menzel stilecht nachgedreht – trifft auf die schöne Scheinwelt eines standesbewußten Großbürgertums, das sich manchmal in derart melodramatischen Posen gefällt, daß Wilhelm sie sich im Geiste als treffende Kintopp-Posen ausmalt. Poesievolle Beschreibung der historischen Situation wird so gebrochen durch die Distanz einer ersten kinematografischen Aufarbeitung." (Filmdienst). (ir)

am 5.3.2013 um 20.00 Uhr



Jiří Menzel
Postřižiny
Kurzgeschnitten

ČSSR 1980, R: Jiří Menzel, B: Bohumil Hrabal, Jiří Menzel, K: Jaromír Šofř, D: Jiří Schmitzer, Magda Vášáryová, Jaromír Hanzlík, Rudolf Hrušínský, Oldřich Vlach, 98'      35 mm, OmU

Zwölf Jahre nach Ein launischer Sommer ist Magda Vášáryová wieder die „Verkörperung der Schönheit auf Erden", so die Neue Zürcher Zeitung, „saftiger als jenes verträumte Zirkusmädchen im älteren Film". Die lebensgierige Ehefrau eines kleinstädtischen Brauereibesitzers gerät, vom auftauchenden freidenkerischen Bruder des Brauereibesitzers unterstützt, in den Modernisierungssog der zwanziger Jahre, dem sie, ihre Haarpracht für den Pagenkopf Josephine Bakers eintauschend, beherzt nachgibt.
Menzel verfilmt erneut eine Novelle von Hrabal, dessen „Stil des Grotesken und Absurden", so die Neue Zürcher Zeitung, Gestalten formt, „von denen eine jede von ihrer kleinen Besessenheit erfüllt ist. Seinen Geschichten, die fast keine Handlung haben" folgt Menzel „von Natur und Formgefühl her dem Schriftsteller sehr verwandt", indem „er wie jener eine Geschichte als polyphone Anordnung von Episoden, Anekdoten und Dialogen so erzählt, dass daraus sich der Eindruck von Handlung ergibt (...) Menzel hat sich in jedem seiner Filme zur Sinnlichkeit der menschlichen Existenz bekannt; stets stand im Mittelpunkt die Sexualität, allerdings nicht als Besessenheit, sondern als Quelle von Lebensglück, in dessen Erlebnis sich Naivität und Keuschheit vermengen." (Neue Zürcher Zeitung, 22.3.1982). (ir)

am 8.3.2013 um 21.00 Uhr
am 9.3.2013 um 21.00 Uhr



Jiří Menzel
Slavnosti sněženek
Das Wildschwein ist los

ČSSR 1983, R: Jiří Menzel, B: Bohumil Hrabal, Jiří Menzel, K: Jiří Macak, D: Rudolf Hrušínský, Jaromír Hanzlík, Libuše Šafránková, Josef Somr, 82'      35 mm, OmU

Nach einer Novelle von Hrabal, geht nahezu die Hälfte des Films in einem Fest auf. „Der Gegenpol der Sinneslust", schreibt Hans J. Wulff, „ist bei Menzel nicht die Askese, sondern die Macht". Hier „streiten die Mitglieder des Schützenvereins und die Jagdgenossen darum, wer das Wildschwein, das am Beginn des Films erschossen wird, denn erlegt hat – und man einigt sich darauf, das Schwein in einem gemeinsamen Fest aufzuessen. Unnötig zu sagen, dass die Mißstimmigkeiten des Anfangs im Fest beigelegt werden, sie gehen in Völlerei, Rausch und Musik unter. Das ganze Dorf nimmt teil, das Kollektiv kehrt zu seinen ursprünglichen Werten zurück, die dörfliche Idylle ist wiederhergestellt. (...) In szenischen Miniaturen werden Mikrogeschichten angedeutet, konflikthafte Familienkonstellationen hingetupft, die kleinen Boshaftigkeiten und Obsessionen der Dorfbewohner skizziert. Es bleibt dabei eine Wärme und eine Sympathie mit allen Beteiligten spürbar, die die Darstellung nie in Karikatur oder Satire übergehen lässt. Immer wieder wird die Erzählung mit einer Kranfahrt unterbrochen, die das Dorf im Wald zeigt, als solle ein ironischer Mittelweg zwischen einem ‚Blick ins Herbarium' und einer versöhnlichen Distanz artikuliert werden. Das Fest ist die Zusammenkunft aller, Schnittpunkt der Beziehungslinien, Engführung aller Teilgeschichten." (montage/av 10/2/2001). (ir)

am 15.3.2013 um 21.00 Uhr
am 17.3.2013 um 18.30 Uhr



Jiří Menzel
Vesničko má středisková
Heimat, süße Heimat

ČSSR 1985, R: Jiří Menzel, B: Zdeněk Sverák, K: Jaromír Šofř, D: János Bán, Marian Labuda, Rudolf Hrušínský, Milena Dvorská, 103'      35 mm, OmU

„Die Heimat des Heimatfilms", schreibt Claudius Seidl, „ist keine geographische, eher eine Seelenlandschaft. Křečovice bei Prag ist folglich nicht bloß ein böhmisches, sondern vor allem ein Potemkisches Dorf: Die Leute hier sind liebenswert, der Lebensrhythmus ist beschaulich, und selbst der Dorfdepp findet sein Auskommen. Es herrschen, in friedlicher Koexistenz, der Sozialismus und der Humorismus." (Die Zeit, 5.6.1988). Eines Tages hat der kugelige väterliche LKW-Fahrer Pávek seinen Beifahrer, den dürren, von den Engeln geküssten Dorftrottel Otik satt. Wie für den autofahrend Gedichte rezitierenden Dorfarzt ist für Otik die sanfte, in der Fahrt vorbeiziehende Landschaft kein Land, sondern ein Garten. Als er daraus ausgestoßen zu werden droht, fügt er sich seinem in einer Intrige erdachten Schicksal, nach Prag zu gehen und sein Geburtshaus einem Fabrikdirektor als Ferienhaus zu überlassen. Menzel inszeniert das von Tratsch und außerehelichem Beischlaf, erster Jugendliebe, einem auswärtigen Maler und Otiks Entschluss gebeutelte Dorf als eine Folge von stillen Sensationen: „ein alltägliches Glück und eine grundlegende diesseitige Zufriedenheit", schreibt Hans J. Wulff: „das Bier von der siebten Stufe, Würste frisch aus dem Rauch, Blasmusik, Zeit für ein Schwätzchen in der Sonne, die Schönheit der böhmischen Frauen – leiblich-sinnliche Erfahrungen. Kaum einer der großen europäischen Regisseure hat so schwärmerisch und warm vom Dorfleben erzählt wie Menzel". (montage/av 10/2/2001). (ir)

am 21.3.2012 um 20.00 Uhr
am 23.3.2013 um 18.30 Uhr



Jiří Menzel
Konec starých časů
Ende der alten Zeit

ČSSR 1989, R: Jiří Menzel, B: Jiří Blazec, Jiří Menzel, K: Jaromír Šofř, D: Josef Abrhám, Marián Labuda, Jaromír Hanzlík, Rudolf Hrušínský, Jan Hartl, 93'       35 mm, OmU

Kurz vor der Wende zur CSFR entsteht nach einem Roman von Vladislav Vančura die „sanfte Satire": „Schauplatz der Geschichte ist das Schloß Kratochvil, das früher einem Herzog gehörte (der sich 1918 nach Tirol absetzte) und jetzt von dem neureichen Witwer Stoklasa samt seiner Töchter und dem übriggebliebenen Personal bewohnt wird. Als der Hausherr eines Tages zur Jagd einlädt, erscheint ein ungebetener Gast, der sich als Fürst Alexander Megalrov vorstellt und behauptet, Oberst unter Zar Nikolaus II. gewesen zu sein. Während die Herren ihn gern als Blender und Betrüger entlarven möchten, sind die Damen von seinem aristokratischen Charme ganz hingerissen." (Frankfurter Rundschau). „Wer Menzels derb-ironischen Stil gewohnt ist, wird von der ätherischen, mystifizierenden, beinahe entrückten Atmosphäre überrascht sein. Der große Tscheche legt den Akzent stärker auf formale Kategorien. Beleuchtung und Farbgebung treten als stilistische Elemente in den Vordergrund. Die märchenartig hermetische Atmosphäre auf Schloß Kurzweil ist die stilisierte Sehnsucht nach einer Vergangenheit mit dem ironisch verklärten Blick auf die ordnungsstiftende Macht der Aristokratie." ( Manfred Riepe, die tageszeitung). (ir)

am 22.3.2013 um 21.00 Uhr
am 24.3.2013 um 21.00 Uhr



Jiří Menzel
Obsluhoval jsem anglického krále
Ich habe den englischen König bedient

CZ/SK/D/H 2006, R/B: Jiří Menzel, K: Jaromír Šofř, D: Ivan Barnev, Oldřich Kaiser, Julia Jentsch, Martin Huba, Marián Labuda, 118'       35 mm, OmU

Bohumil Hrabal stirbt 1997, sein Roman Ich habe den englischen König bedient entsteht in der Zeit seines Publikationsverbots nach der Niederschlagung des Prager Frühlings und erscheint 1974 als Samisdat. Das filmische Werk Menzels ist selbst über die Literaturverfilmungen Hrabals hinaus mit dessen biographisch besetzten Motiven und Handlungsorten durchsetzt: Der Bahnhof der „scharf bewachten Züge", das Rohstofflager der „Lerchen am Faden", das Füttern von Tauben, bei denen Hrabal in einem vielleicht bewusst inszenierten Sturz stirbt, die Stahlhütten und Brauereien, die mäandrierenden Monologe, die ihren Ursprung in Hrabals Onkel Pepin haben. Menzel kämpft jahrelang um Rechte und Produktionsgelder für die Verfilmung von Hrabals Roman. Sein Film wird das Bekenntnis seiner filmischen Lieben und Erfahrungen. Der Rückblick auf den Aufstieg des kleinen Würstchenverkäufers Jan Dítě in den zwanziger Jahren zum Kellner der Oberschicht und auf den Fall des Millionärs in das Gefängnis des Stalinismus findet in Erzählformen statt, die die Entwicklung des Kinos seit der Stummfilmzeit reflektieren. Ich habe den englischen König bedient nimmt erneut den jungfräulich staunenden Blick von Miloš aus Scharf beobachtete Züge auf und entfaltet den skrupellosen Opportunismus Dítěs während der NS-Diktatur. Menzel erzählt noch einmal von der Selbstfindung angesichts Biographien zersetzender Systeme des Unrechts und huldigt in allegorisch anmutenden Bildern der kinematographischen Magie, dem sinnlichen Genuss sowie der Schönheit und Verführungskraft der Frauen. (ir)

am 27.3.2013 um 20.00 Uhr
am 30.3.2013 um 18.30 Uhr

 

 

 
 
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