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Kino im Zeughaus | Programm | Programmarchiv


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Kalter Krieg und Film-Frühling | Unter Vorbehalt | Verführung Freiheit | Wiederentdeckt | Zeitbild Berlin

 


  UNTER VORBEHALT

 

UNTER VORBEHALT

Die Vorführung mancher Filme, die während des „Dritten Reichs“ entstanden sind, ist nur unter Vorbehalt möglich. Diese sogenannten Vorbehaltsfilme dürfen zwar gezeigt, sie müssen aber eingeführt und mit dem Publikum diskutiert werden. Ihre Vorführung soll der Aufklärung über den Nationalsozialismus dienen. Zum Korpus der Vorbehaltsfilme gehören über 40 abendfüllende Produktionen. Darunter finden sich Spielfilme wie Jud Süß oder Hitlerjunge Quex – Filme, von denen immer wieder die Rede ist, wenngleich sie kaum jemand gesehen hat. Die meisten Vorbehaltsfilme sind jedoch vollkommen unbekannt. Die Reihe UNTER VORBEHALT, die in unregelmäßiger Folge alle Vorbehaltsfilme vorstellen und diskutieren wird, möchte unter anderem dazu beitragen, das Reden über das Kino des „Dritten Reichs“ von diesen blinden Flecken der Diskussion zu befreien. Dabei wird auch die Frage eine Rolle spielen, wie wir mit dem filmischen Erbe des Nationalsozialismus umgehen möchten – und wer dieses „wir“ ist.

 

UNTER VORBEHALT
Unternehmen Michael
D 1937, R: Karl Ritter, K: Günther Anders, M: Herbert Windt, D: Heinrich George, Mathias Wieman, Willy Birgel, Hannes Stelzer, 82’          
35 mm

Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg nahm in der Ideologie und Praxis des Nationalsozialismus eine herausragende Rolle ein. Der millionenfache Tod auf den Schlachtfeldern wurde umgedeutet in einen Ausdruck von soldatischer Opferbereitschaft und Heroismus. Nur Kleingläubigkeit und Wankelmut der Feinde im Innern hätten den greifbaren Sieg verhindert. Stets ging damit die Verunglimpfung der demokratischen Staatsform einher, der „Republik der Verlierer“ und Taktierer. Dass der Einsatz des eigenen Lebens, unbedingter Gehorsam und Unterordnung für die Nationalsozialisten Tugenden an sich darstellten, führt Unternehmen Michael mit seiner Glorifizierung des sinnlosen Todes deutlich vor Augen: Der im Rahmen des NSDAP-Reichsparteitages 1937 in Nürnberg uraufgeführte, vom glühenden Nationalsozialisten und Militaristen Karl Ritter inszenierte „Staatsauftragsfilm“ spielt während der Frühjahrsoffensive 1918, als die deutsche Heeresleitung nach Jahren des Stellungskrieges im Rahmen der „Operation Michael“ an der Westfront zum letzten Angriff überging. Die im Film spürbare sadomasochistische Todesmystik veranlasste hohe Offiziere zum Protest und führte zu einem Streit zwischen Wehrmacht und Propagandaministerium, wie Klaus Kreimeier in Die Ufa-Story (1992) schreibt. Schon mit Blick auf spätere Generationen heißt es am Ende des Films: „Nicht nach der Größe unseres Sieges wird man uns einmal messen, sondern nach der Tiefe unseres Opfers.“ (ps)
Einführung: Matthias Struch

am 28.2.2013 um 20.00 Uhr

UNTER VORBEHALT
Flucht ins Dunkel
D 1939, R: Arthur Maria Rabenalt, B: Philipp Lothar Mayring, D: Joachim Gottschalk, Ernst von Klipstein, Hertha Feiler, Siegfried Schürenberg, 86’         
35 mm

Keine drei Wochen nach dem deutschen Angriff auf Polen kam mit Flucht ins Dunkel ein Film in die Kinos, der einmal mehr die Sicht der Nationalsozialisten auf den Ersten Weltkrieg als Schule der Nation und die Jahre nach 1918 als Zeit des sozialen und sittlichen Verfalls zum Inhalt hatte. Zwei Ingenieure werden an der Front zu Freunden: Der eine gerät in Kriegsgefangenschaft und gilt als verschollen, der andere kehrt heim nach Deutschland, wo nach Kriegsende Chaos, Streik und Selbstbereicherung herrschen. Während der Verschollene seine Flucht plant, gelingt seinem Kameraden eine revolutionäre Erfindung. Dafür braucht er freilich das Kapital des Totgeglaubten, dessen Braut weiter auf ihn wartet. In einer Schlüsselszene bejubeln die deutschen Kriegsgefangenen im französischen Lager die Nachricht vom Friedensschluss. Der Film-Kurier schreibt: „Bis einer von dem Wachtposten eine Zeitung erhält und vorliest, wie dieser Frieden aussieht. Heute ist wieder Krieg – und wir wissen, was wir zu erwarten haben, wenn abermals der Frieden von der Gegenseite diktiert wird.“ (18.10.1939). Dem mahnenden Hinweis auf 1918 folgt hier die Verpflichtung zu siegen um jeden Preis und mit jedem Mittel. (ps)
Einführung: Stefanie Mathilde Frank

am 6.3.2013 um 20.00 Uhr

 

UNTER VORBEHALT
Blutsbrüderschaft
D 1941, R: Philipp Lothar Mayring, M: Michael Jary, D: Hans Söhnker, Ernst von Klipstein, Anneliese Uhlig, Rudolf Platte, 104’    
35 mm

Enden die Märtyrerfilme aus dem Jahr von Hitlers Machtübernahme noch mit dem Tod der Helden im Kampf um das „Dritte Reich“ und dem Versprechen ihrer Wiedergeburt, so schlägt der „Staatsauftragsfilm“ Blutsbrüderschaft eine Brücke von der „Kampfzeit“ vor 1933 zum Zweiten Weltkrieg. Nach Kriegsende 1918 trennen sich die Wege zweier Frontoffiziere, die bis zuletzt für den Sieg gekämpft haben. Der ältere und pragmatischere der beiden findet sich mit den Verhältnissen ab und sorgt sich fortan um seinen persönlichen Aufstieg. Der Jüngere dagegen bringt es nicht über sich, sein Ideale zu verraten und verzichtet auf materiellen Wohlstand. Stattdessen schließt er sich den Nationalsozialisten an und kämpft für die nationale Sache. Erst Jahre später gelingt es dem Jüngeren, den Älteren an seine wahre Pflicht zu erinnern. Gemeinsam marschieren sie zum Schluss für das nationalsozialistische Deutschland. Der Völkische Beobachter schreibt: „Eine Geschichte der Generation, die 1918 den Graben verließ, die durch Inflation und Niedergang führte. Philipp Lothar Mayring blendete Archivaufnahmen ein, die jene aufregenden, schicksalsträchtigen Jahre spiegeln, wir sehen die Franzosen am Rhein, die Kämpfe in München und Berlin, die Notenpresse der Billionenjahre, die Arbeitslosenämter, die weißen Hemden der Sturmabteilungen ...“ (5.1.1941). (ps)
Einführung: Philipp Stiasny

am 14.3.2013 um 20.00 Uhr

 

UNTER VORBEHALT
Anschlag auf Baku
D 1942, R: Fritz Kirchhoff, K: Robert Baberske, D: Willy Fritsch, René Deltgen, Lotte Koch, Fritz Kampers, 93’          
35 mm

Ein weiterer „Staatsauftragsfilm“, der die Wirren der Nachkriegsjahre zum Thema hat: Im Zentrum steht der ehemalige deutsche Offizier Romberg (Willy Fritsch), der aus einem russischen Kriegsgefangenenlager nach Baku am Kaspischen Meer geflohen ist. 1919 leitet er dort den Sicherheitsdienst einer Ölgesellschaft, die unter Attentaten und Sabotageakten durch englische Agenten leidet. Diese Agenten mit Forbes (René Deltgen) an der Spitze wiegeln auch die christlichen und muslimischen Volksteile gegeneinander auf. Sie wollen das Land ins Chaos stürzen und dann selbst die Kontrolle übernehmen. Es kommt zum Massaker. Am Ende ist zwar Rombergs gefährlichster Widersacher besiegt, doch die Niederschlagung der Aserbaidschanischen Demokratischen Republik durch bolschewistische Truppen im Jahr 1920 steht schon bevor. Anschlag auf Baku gehört zu einer Reihe antibritischer Propagandafilme, die sich gerne einen kolonialismuskritischen Anstrich geben. Gleichzeitig ist dies ein Abenteuerfilm mit aufwendigen Actionszenen. „Zum Schluss wird hinsichtlich der Schießereien des Guten zuviel getan. Das gilt insbesondere für den Kampf in der englischen Villa. Der Versuch, durch Ineinanderschneiden von Gesellschafts- und Aufruhraufnahmen besondere Wirkungen zu erzielen, gelingt nicht immer, die Absicht wird hier zu offenkundig“, moniert der Film-Kurier am 26.8.1942. (ps)
Einführung: Philipp Stiasny


am 20.3.2013 um 20.00 Uhr

 

 
 
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