Atelier Brückner: Gestalterische Exzellenz für das DHM
26. Mai 2026 Lesedauer 3 Min.
Seit 2021 arbeitet das Deutsche Historische Museum an einer grundlegenden Neugestaltung seiner Ständigen Ausstellung. Auf rund 9.000 Quadratmetern soll die deutsche Geschichte vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert neu präsentiert werden – eingebettet in einen globalen Kontext und gestützt auf die mehr als eine Million Objekte umfassende Sammlung des Hauses. Für dieses Vorhaben arbeitet das DHM mit zahlreichen Partnern zusammen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Gestaltungsbüro Atelier Brückner, das sich 2023 in einer europaweiten Ausschreibung durchsetzen konnte.

Im Rahmen eines Workshops mit der Projektleitung der neuen Ständigen Ausstellung und dem Team des Gestaltungsbüros Atelier Brückner wurden im Zeughaus verschiedene Grafikthemen besprochen und vor Ort getestet. © DHM, Foto: David von Becker
Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Atelier Brückner ist spezialisiert auf die Übersetzung komplexer Inhalte in räumliche Erzählformen. Der Gestaltungsansatz des Büros folgt der Philosophie „form follows content“ und prägt die Arbeit des interdisziplinären Teams an der Schnittstelle von Architektur, Szenografie und inhaltlicher Entwicklung.
Seit Anfang 2024 entwickelt Atelier Brückner im engen Austausch mit dem Ausstellungsteam die Architektur und grafische Gestaltung der Ausstellungsflächen im Zeughaus. Das barocke Baudenkmal gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse des nordeuropäischen Barocks. Die Herausforderung besteht darin, eine Szenografie zu entwerfen, die das Gebäude als historisches Baudenkmal respektiert und zugleich die Objekte und Themen des DHM einem breiten und diversen Publikum nahebringt.
In gemeinsamen Workshops wird das Gestaltungskonzept Schritt für Schritt weiterentwickelt. Dabei werden Inhalt, Raum und Publikum konsequent zusammengedacht. Das Konzept entsteht in einem offenen Arbeitsprozess, der die kuratorische Auswahl der Exponate, wissenschaftliche Debatten und besucherspezifische Anforderungen gleichermaßen berücksichtigt. Dieser kollaborative Ansatz greift die zentralen Leitprinzipien der künftigen Ausstellung auf: Sie soll einladend, offen und international anschlussfähig sein und das DHM als nationales Geschichtsmuseum von internationalem Rang zeigen – vielschichtig, kritisch, überraschend und zugänglich für ein breites, diverses Publikum.
Die neue Chronologie
Die neue Überblicksausstellung zur deutschen Geschichte wird sich im Obergeschoss befinden und als Rundparcours angelegt sein. Großformatige gestalterische Elemente strukturieren die Ausstellung und verbessern die Wahrnehmung des weitläufigen Raumes. Im Luftraum abgehängte Jahreszahlen ermöglichen einen schnellen Überblick und erleichtern die zeitliche Orientierung. Jede Epoche erhält ein eigenes Raumbild, und besondere Bereiche wie Transformations- und Reflexionsräume helfen dabei, Übergänge und historische Brüche sichtbar zu machen.
Eindrucksvolle Objekte der Sammlung stehen im Mittelpunkt. Medienstationen, grafische Exponate, Hands-On und inklusive Angebote erweitern die sinnliche Wahrnehmung und ergänzen die Präsentation der Sammlungsobjekte. Die Ausstellung zielt darauf, alle Sinne anzusprechen und schafft Gelegenheiten, um die historischen Inhalte mit der eigenen Lebenswelt zu verknüpfen.

Die neue Überblicksausstellung zur deutschen Geschichte wird im Obergeschoss des Zeughauses zu sehen sein. © DHM, Foto: David von Becker
Neuerungen im Erdgeschoss
Die Räume im Erdgeschoss werden neu gestaltet und bieten unterschiedliche inhaltliche Angebote, Schwerpunkte und Formate zum Entdecken. Die wichtigste Neuerung ist ein eigener Ausstellungsbereich für Kinder und Familien. Darüber hinaus entstehen Flächen für Wechselausstellungen, ein eigener Ausstellungsbereich mit dem Titel „Arsenal“, der Aspekte der Sammlungsarbeit des DHM vertieft, sowie ein frei zugänglicher Bereich zur Geschichte des historischen Ortes „Zeughaus“. Zudem wird die Aufenthaltsqualität im Hauptfoyer und im Zeughaushof verbessert, und an der Ostseite des Zeughauses entsteht ein zweiter Eingang, der die Besuchenden direkt von der U-Bahn-Station Museumsinsel ins Museum führt.
Das Zeughaus als historischer Akteur
Nicht nur die Exponate erzählen Geschichte, sondern auch das Gebäude selbst. Die Bestandsarchitektur wird respektvoll und bewusst in das inhaltliche und räumliche Gesamtkonzept eingebunden. Bestehende Raumstrukturen bleiben lesbar, Sichtachsen werden bewusst geöffnet, und Ausblicke auf stadtgeschichtlich bedeutende Orte wie das Brandenburger Tor werden in den Rundgang integriert.

Mitglieder der Projektleitung und das Team von Atelier Brückner (ATB) während eines gemeinsamen Workshops im Zeughaus. © DHM, Foto: David von Becker

Die Projektleitung der neuen Ständigen Ausstellung und das Team von Atelier Brückner (ATB) während eines gemeinsamen Workshops im Zeughaus im März 2026. In der Bildmitte: Tanja Zöllner (ATB). © DHM, Foto: David von Becker

Mitglieder der Projektleitung und das Team von Atelier Brückner besprechen typografische Fragen für die neue Ständige Ausstellung. Im Bild von links nach rechts: Evelyn Prochota (Atelier Brückner), Dr. Stephanie Neuner (DHM), Fritz Backhaus (DHM). © DHM, Foto: David von Becker