Krafft Werner Jaeger 1919-2008

Militär, Graphiker, Kynologe, Entomologe

  • 1919

    6. Juli: Krafft Werner Jaeger wird als einziges Kind des charakterisierten Oberleutnants Fritz Jaeger und dessen Ehefrau Marie Elisabeth (geb. Schlee) in Stuttgart geboren.

  • ab 1925

    Nach der Einschulung besucht Jaeger wegen des häufigen Ortswechsels seiner Eltern über zehn verschiedene Schulen.

  • 1929

    Er tritt den Pfadfindern bei.

  • 1933

    Jaeger besucht die private Waldschule Kaliski in Berlin-Eichkamp und in Halensee.

  • 1934

    Er muß die als "jüdisch" geltende Waldschule verlassen.

  • ab 1935

    In Frankfurt/Oder besucht er das Pädagogium Traub. Der Sohn von Theodor Eicke (1892-1943), "Inspekteur der KL [Konzentrationslager] und Führer der SS-Wachverbände", geht - in Uniform der Schutzstaffel (SS) - in die Parallelklasse und droht Jaeger häufiger mit dem Konzentrationslager (KZ).

  • 1938

    Während eines Internatsaufenthalts in Havelberg bricht ein Mitschüler Jaegers auf dem Eis der Havel ein und gerät unter die Eisdecke. Jaeger rettet dem Mitschüler das Leben und erhält dafür 1941 die preußische Lebensrettungsmedaille am Band.
    Jaeger leistet seinen freiwilligen Arbeitsdienst in Fürstenwalde ab. Er erhält Kontakt zu dem Gutsbesitzer und Gegner des NS-Regimes Carl-Hans Graf von Hardenberg (1891-1958), der sich später mit Jaegers Vater befreundet.

  • 1939

    Jaeger trainiert für eine Teilnahme an den Sportwettbewerben beim "Reichsparteitag des Friedens" in Nürnberg. Wegen des Angriffs auf Polen wird der Reichsparteitag abgesagt. Jaeger nimmt mit seiner Arbeitsdiensteinheit als Baubataillon am Einmarsch in Polen> teil.

  • 1940

    Als Fahnenjunker auf die alte Reichskriegsflagge vereidigt, nimmt er am "Frankreichfeldzug" teil.
    Nach wiederholter Beförderung wegen Tapferkeit absolviert Jaeger die Kriegsschule in Potsdam-Bornstedt.

  • 1941

    1. Februar: Jaeger erhält das Offizierspatent.
    Teilnahme am Krieg gegen die Sowjetunion.
    Wegen einer Verwundung vor Moskau verbringt Jaeger einige Wochen in Lazaretten in Stuttgart und in Frankfurt/Main.

  • 1942

    Januar: Versetzung zum Wachbataillon Berlin "Groß-Deutschland".
    17. Februar: Tod seiner Mutter. Anläßlich der Beisetzung trifft Jaeger seinen Vater in Berlin, der mit ihm über seine Kontakte zum Widerstand spricht. Bei einem Umsturzversuch soll Jaegers Vater das Wachbataillon Berlin übernehmen. Krafft Jaeger sagt seine Unterstützung zu.

  • 1943

    Beförderung zum Oberleutnant.
    März: Durch eine Versetzung zum Ersatztruppenteil nach Frankfurt/Oder kann Jaeger im Falle eines Staatsstreichs seinen Vater nicht mehr im Wachbataillon Berlin unterstützen. Er zieht daher vorsichtig einen befreundeten Oberleutnant ins Vertrauen, der jedoch Dienstanzeige gegen Jaeger erstattet.
    1. April: Jaeger wird in Frankfurt/Oder verhaftet.
    April-Juli: Untersuchungshaft im Berliner Wehrmachtsgefängnis Lehrter Straße. Bei den Vernehmungen gibt Jaeger zu Protokoll, er hätte sich bei den von ihm erwähnten "Unruhen in der Reichshauptstadt" auf mögliche Aufstände von Zwangsarbeitern bezogen.
    2. Juli: Jaeger wird vor dem Reichskriegsgericht mangels Beweisen freigesprochen.
    Nach einem kurzen Lazarettaufenthalt Einsatz in Dänemark.

  • 1944

    Jaeger wird nach Italien versetzt und dort verwundet.
    20. Juli: Er liegt während des Attentats vom 20. Juli in einem Lazarett in Norditalien.
    1. August: Jaeger wird von zwei Offizieren der Wehrmacht verhaftet und nach Berlin in das Hausgefängnis der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in die Prinz-Albrecht-Straße 8 gebracht. Auch sein Vater wird dort gefangengehalten. Eine Kontaktaufnahme ist nicht möglich.
    13. August: Verlegung in das Gefängnis des Sicherheitsdiensts (SD) Lehrter Straße 3.
    21. August: Jaegers Vater wird vom Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Roland Freisler wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und noch am selben Tage in Berlin-Plötzensee durch den Strang ermordet.

  • 1945

    20. Februar: Jaeger wird in das KZ Sachsenhausen gebracht. Da er nicht aus der Wehrmacht ausgeschlossen wurde, weigert er sich dort, den Befehlen eines unter ihm im Rang stehenden SS-Führers Folge zu leisten. Als er auf seinen Status als KZ-Häftling und die damit verbundene Gehorsamspflicht hingewiesen wird, reißt er sich die Schulterstücke herunter und wirft sie dem SS-Führer vor die Füße. Jaeger erhält auf Brust und Rücken einen tennisballgroßen roten "Fluchtpunkt" aufgenäht. Ein ca. zwei Zentimeter breiter roter Streifen unter seiner Häftlingsnummer signalisiert, daß seine Rückkehr unerwünscht ist.
    Er wird in den "Erziehungsblock" eingewiesen und dort zum Tischältesten gewählt.
    Nach Arbeiten in der Küchenbaracke und in der Häftlingsschreibstube meldet sich Jaeger zur Nachtarbeit. Er soll die Radiomeldungen über alliierte Luftangriffe verfolgen und etwaige Anflüge auf Oranienburg an die Lagerverantwortlichen bei der SS melden. Seine Tätigkeit als "Lager-Luftlagemelder" bewahrt ihn vor dem Transport in das KZ Neuengamme, in dem die Häftlinge in kürzester Zeit an Epidemien sterben.
    20. April: Jaeger wird von einem SS-Führer die Beförderung zum Hauptmann mitgeteilt. Er erhält seine Schulterstücke zurück und soll als erfahrener Frontoffizier den Lagervolkssturm leiten und den militärischen Schutz der Häftlinge vor der Roten Armee übernehmen.
    22. April: Das Lager wird geräumt. Gemeinsam mit den anderen Häftlingen muß Jaeger am "Todesmarsch" in Richtung Ostsee teilnehmen.
    Wenig später gerät Jaeger auf dem Flugplatz Schwerin in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Wegen des Gebietsaustausches unter den Alliierten kommt er in englische Gefangenschaft und darf die russische Zone verlassen. Er gelangt in die Nähe von Laboe in Schleswig-Holstein.
    Seine Aussagen führen zur Verhaftung von zahlreichen SS-Führern des KZ Sachsenhausen. Jaeger wird im Herbst von den Briten nach Stuttgart entlassen. Beim Erreichen der amerikanischen Zone in Göttingen wird der Güterzug jedoch gestoppt. Die Amerikaner erkennen die britischen Entlassungsscheine nicht an und kassieren sie. Jaeger und die anderen Entlassenen kommen in ein mit Stacheldraht gesichertes Lager. Da die Zelte keinen Schutz vor dem Frost bieten, "entläßt" Jaeger sich selbst und schlägt sich nach Stuttgart durch.

  • ab 1946

    Jaeger arbeitet zunächst als Buchbinder, dann unentgeltlich im Amt für Wiedergutmachung und anschließend in der "Bekleidungs- und Deckenhilfe" unter Eugen Gerstenmaier. Später arbeitet er als Graphiker bei einer süddeutschen Werbegesellschaft.

  • 1947

    Heirat mit Ursula Häusermann, der Tochter eines Landgerichtsrats. Aus der Ehe geht der Sohn Jörg Friedrich Krafft hervor, der mit drei Jahren an Kinderlähmung erkrankt.
    Nach zahlreichen Kuraufenthalten im Schwarzwald fliegt Jaegers Frau in der Hoffnung auf bessere Behandlungsmethoden mit dem Sohn nach Florida (USA).

  • 1952

    Jaegers Ehe wird geschieden.

  • 1953

    Heirat mit Johanna Elisabeth Rennen, der Tochter eines Obersten. Gemeinsam mit ihrer antifaschistisch und antinationalsozialistisch eingestellten Mutter war Johanna Rennen während des Zweiten Weltkriegs in Theresienstadt inhaftiert. Die Mutter verstarb dort 1945.

  • 1957

    Jaeger macht sich mit einem Fertighaus-Vertrieb selbständig.

  • ab ca. 1960

    Nach der Auflösung der Firma widmet sich Jaeger mit seiner Frau der Zucht asiatischer Hunde.
    Als Kynologe veröffentlicht er zahlreiche Schriften über Zucht und Pflege asiatischer Hunderassen.

  • ab 1978

    Jaeger widmet sich verstärkt der Entomologie und baut eine umfangreiche Belegsammlung der Schmetterlinge des Landschaftsschutzgebietes Wollenbachtal (Baden-Württemberg) auf. Er ist Mitglied in dem von seinem Urgroßvater 1868 gegründeten Entomologischen Verein Stuttgart und Mitarbeiter der Buchserie "Die Schmetterlinge Baden-Württembergs".

  • ca. 1990

    Nach langjährigen historischen Recherchen stellt Jaeger den Wappenatlas der Familie Jaeger mit über 330 Wappen und Siegeln der Familie fertig.

  • 1995

    25. September: Jaeger enthüllt anläßlich des 100. Geburtstags seines Vaters an dessen Geburtshaus, dem heutigen Rathaus in Kirchberg an der Jagst, eine Gedenktafel.

  • 1996

    20. Oktober: Anlässlich der Umbenennung einer Straße in Wünsdorf in "Fritz-Jaeger-Allee" hält Jaeger nach einer Ansprache des brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe eine Erinnerungsrede.

  • 2008

    13. März: Krafft Werner Jaeger stirbt in seinem Wohnort Bad Rappenau.

(se)
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