Wilhelm Leuschner 1890-1944

Politiker, Gewerkschafter

  • 1890

    15. Juni: Wilhelm Leuschner wird als Sohn des Ofensetzers Wilhelm Leuschner und dessen Ehefrau Marie Leuschner (geb. Dehler) in Bayreuth geboren.
    Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf.

  • 1907

    Nach dem Besuch der Volksschule beginnt er eine Lehre als Holzbildhauer.

  • 1909

    In Darmstadt wird er Bezirksleiter des Zentralvereins der deutschen Bildhauer.
    Im Wintersemester studiert Leuschner an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg.

  • 1910

    Nach Abschluß der Lehre beginnt er als Holzbildhauer in einer Darmstädter Möbelfabrik zu arbeiten.
    Er wird Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

  • 1911

    Heirat mit Elisabeth Batz.

  • 1916-1918

    Leuschner nimmt am Ersten Weltkrieg teil.

  • 1919

    Er wird Vorsitzender des Zusammenschlusses Darmstädter Gewerkschaften.

  • 1924

    Er zieht für die SPD in den hessischen Landtag ein.

  • 1926-1928

    Bezirkssekretär des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) in Hessen und Hessen-Nassau.

  • 1928

    Leuschner wird zum hessischen Innenminister berufen.

  • 1931

    Er veröffentlicht die Boxheimer Dokumente, in denen der hessische Landtagsabgeordnete Werner Best, Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), Pläne zur Errichtung einer nationalsozialistischen Herrschaft niedergelegt hat.

  • 1932

    Der ADGB entsendet Leuschner in den Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts (IAA).

  • 1933

    Er wird Vorstandsmitglied des ADGB.
    2. Juni: Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wird er für vier Tage inhaftiert und dabei mißhandelt.
    Nach seiner Freilassung zwingen ihn die Nationalsozialisten, zusammen mit Robert Ley die Sitzungen des IAA in Genf zu besuchen. Als bekannter Führer der inzwischen aufgelösten Freien Gewerkschaften soll er die Anerkennung der Deutschen Arbeitsfront als Gewerkschaft erreichen. Da er jedoch von der Unterdrückung der Arbeiterbewegung berichtet, wird er nach seiner Rückkehr verhaftet.

  • Juni 1933 - Juni 1934

    Er wird in den Konzentrationslagern (KZ) Börgermoor und Lichtenburg gefangengehalten.

  • 1934

    Nach seiner Entlassung übernimmt er einen Betrieb für Bierflaschenverschlüsse. Er nimmt Kontakte mit sozialdemokratischen, kommunistischen und christlichen Gewerkschaftsführern auf, um gemeinsamen Widerstand zu organisieren.

  • ab 1939

    Da seine Firma kriegswichtige Patente zur Aluminiumverarbeitung besitzt, trifft er zahlreiche Mitglieder des militärischen Widerstands. Über diese bekommt er Kontakt zum Kreisauer Kreis und zu Carl Friedrich Goerdeler. Er nimmt an den Beratungen über die zukünftige Gestaltung Deutschlands teil. Als Repräsentant der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung ist er in der Übergangsregierung nach dem Umsturz als Vizekanzler vorgesehen.

  • 1944

    16. August: Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli wird Leuschner, nachdem er sich einige Zeit verbergen konnte, verhaftet.
    29. September: Wilhelm Leuschner wird in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

(st)
lo