Wilhelm Leuschner 1890-1944

Politiker, Gewerkschafter

  • 1890

    15. Juni: Karl, Friedrich Wilhelm Leuschner wird als Sohn des Töpfers Wilhelm Leuschner und der Weißnäherin Marie Dehler in Bayreuth geboren. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf.

  • 1897-1904

    Besuch der Volksschule in Bayreuth.

  • 1899

    Nach der Heirat der Eltern wird er vom Vater als ehelich anerkannt und erhält den Nachnamen Leuschner.

  • 1904

    Beginn einer Lehre als Holzbildhauer in Bayreuth.

  • 1907

    Abschluss der Lehre als Holzbildhauer. Mai: Eintritt in die Gewerkschaft der Holzbildhauer in Bayreuth. 

  • 1909

    In Darmstadt wird Leuschner ehrenamtlicher Bezirksleiter des Zentralvereins der deutschen Bildhauer. Mai: Tod der Mutter.
    Im Wintersemester studiert Leuschner an der Königlichen Kunstgewerbeschule in Nürnberg.

  • 1910

    Januar: Geburt des Sohnes Wilhelm. Sommer: Leuschner beginnt als Holzbildhauer in der Königlichen Hofmöbelfabrik Glückert in Darmstadt zu arbeiten.

  • 1911

    April: Geburt der Tochter Katharina. September: Heirat mit Elisabeth Batz, der Mutter der Kinder.

  • 1913

    Stellvertretender Vorsitzender des Gewerkschaftskartells Darmstadt. April: Eintritt in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).

  • 1916-1918

    Leuschner nimmt am Ersten Weltkrieg an der Ost- und Westfront teil. November 1918: Er wird zum Vorsitzenden des Soldatenrates durch seinen Luftmesstrupp gewählt.

  • 1919

    Er wird Vorsitzender der Darmstädter Gewerkschaften. Für die SPD wird er in den Stadtmagistrat und in das Regionalparlament Starkenburg gewählt.

  • 1924

    Er zieht für die SPD in den hessischen Landtag ein und wird als Schriftführer Mitglied des Landtagspräsidiums.

  • 1926-1928

    Bezirkssekretär des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) für Waldeck, Hessen-Darmstadt, Hessen-Nassau, Rheinhessen und Saarland. Leuschner ist außerdem beratendes Mitglied im ADGB-Bundesvorstand in Berlin.

  • 1928

    Februar: Leuschner wird zum hessischen Innenminister berufen und setzt eine neue demokratische Kommunalverfassung durch.

  • 1931

    November: Er veröffentlicht die Boxheimer Dokumente, in denen der hessische Landtagsabgeordnete Werner Best, Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), Pläne zur Errichtung einer nationalsozialistischen Herrschaft niedergelegt hat.Leuschner versucht, Hitler wegen Landesverrats vor das Reichsgericht zu bringen.

  • 1932

    Oktober: Das von Leuschner angestrengte Untersuchungsverfahren gegen Hitler wird vom Reichsanwalt eingestellt.

  • 1933

    Januar: Er wird Vorstandsmitglied des ADGB in Berlin und dessen Vertreter im Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes (IAA)
    2. Mai: Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme und Zerschlagung der Gewerkschaften wird er für vier Tage inhaftiert und dabei misshandelt.
    Nach seiner Freilassung zwingen ihn die Nationalsozialisten, zusammen mit Robert Ley die Sitzungen des IAA in Genf zu besuchen. Als international bekannter Führer der inzwischen aufgelösten Freien Gewerkschaften soll er die Anerkennung der Deutschen Arbeitsfront als Gewerkschaft erreichen. Da er jedoch von der Unterdrückung der Arbeiterbewegung berichtet, wird er nach seiner Rückkehr verhaftet.

  • Juni 1933-Juni 1934

    Er wird im Hessischen Landeszuchthaus Rockenburg und in den Konzentrationslagern (KZ) Börgermoor und Lichtenburg gefangen gehalten.

  • 1934

    Nach seiner Entlassung nimmt Leuschner Kontakt mit ehemaligen Gewerkschaftsführern auf, um den gemeinsamen Widerstand gegen Hitler zu organisieren. Er wird beauftragt, Verbindungen zu anderen Widerstandsgruppen aus bürgerlichen, kirchlichen, adeligen und militärischen Kreisen aufzubauen.

  • 1936

    Dezember: Er übernimmt eine Fabrik für Bierschankutensilien in Berlin-Kreuzberg und beschäftigt dort ehemalige Kollegen aus der Arbeiterbewegung. Die Fabrik wird zur Schaltzentrale des gesamten gewerkschaftlichen Widerstandsnetzes in der Illegalität.

  • ab 1939

    Da seine Firma kriegswichtige Patente zur Aluminiumverarbeitung besitzt, trifft er zahlreiche Mitglieder des militärischen Widerstands, vor allem Ludwig Beck. Leuschner nimmt Kontakt zum Kreisauer Kreis und zu Carl Friedrich Goerdeler auf. Er nimmt an den Beratungen über die zukünftige Gestaltung Deutschlands teil. Als Repräsentant der Gewerkschaftsbewegung ist er in der Übergangsregierung nach dem Umsturz als Vizekanzler ohne Geschäftsbereich vorgesehen.

  • 1944

    16. August: Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli wird Leuschner, nachdem er sich einige Zeit verbergen konnte, in Berlin denunziert und verhaftet. Er wird verhört und gefoltert, ohne Mitverschwörer zu verraten. 7. und 8. September: Vom Volksgerichtshof wird Leuschner zum Tode verurteilt und anschließend weiter verhört und gefoltert.
    29. September: Wilhelm Leuschner wird in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wolfgang Hasibether, Stefan Kuhn
3. September 2015
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