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Einführung: Rastislav Steranka

Eine slowakische Kleinstadt im Jahr 1958: Am Straßenrand, knapp außerhalb der Siedlung, wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Bald gibt es einen Verdächtigen: Ein Jugendlicher, der zu einem in der Stadt gastierenden Wanderzirkus gehört, wird der Vergewaltigung und des Mordes beschuldigt. Der Fall kommt vor Gericht und der Angeklagte gesteht die Tat, weshalb er rasch zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird. Doch der Strafverteidiger Kolár, der mit dem Staatsanwalt und der Richterin seit Studienzeiten befreundet ist, hegt den Verdacht, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Das psychologische Drama des Slowaken Martin Hollý reiht sich in die klassische Tradition von Justizkrimis ein, in der sich die Gerechtigkeit gegen das Recht durchsetzen muss, weil das gesprochene Urteil auf einem Vorurteil basiert. Prípad pre obhajcu gilt als filmische Anklage gegen das kommunistische System der Tschechoslowakei, das in den 1950er Jahren politische Prozesse inszenierte, um die Macht der Partei zu festigen. Statt Vertrauen in die Justiz regieren Verdacht, Vertuschung und Verunsicherung. Am Ende obliegt es dem Verteidiger, der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen. Davon überzeugt, dass die Ungereimtheiten in den Gerichtsakten das Leben eines Jungen zerstören, beginnt Kolár einen riskanten Kampf um dessen Unschuld. (mp)

Rastislav Steranka ist Direktor des Nationalen Kinematografischen Zentrums am Slowakischen Filminstitut und arbeitet auch als Autor und Übersetzer.

Prípad pre obhajcu