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1 + 1 = 3. Ehe man Ehemann wird

D 1927, R: Felix Basch, B: Béla Balázs, Hermann Kosterlitz (Henry Koster), K: Edgar S. Ziesemer, D: Veit Harlan, Georg Alexander, Claire Rommer, Siegfried Arno, ca. 86‘ · 35mm Ein „Filmscherz“ des Schriftstellers und Filmtheoretikers Béla Balázs: 1 + 1 = 3, produziert vom kommunistischen Medienunternehmer Willi Münzenberg, parodiert spießbürgerliche Moralvorstellungen und Konventionen des kommerziellen Kinos. Zwei junge Männer, gespielt von Georg Alexander und dem späteren NS-Filmregisseur Veit Harlan, kämpfen um ihre Existenz in der Großstadt. Ihr Schicksal ändert sich schlagartig, als einer von ihnen eine Erbschaft macht – allerdings unter der Bedingung, dass er nicht heiratet. Um das Geld zu bekommen und gleichzeitig der Angebeteten (Claire Rommer) nah zu sein, wird eine Scheinheirat arrangiert. Was Verwicklungen zur Folge hat. Die visuell einfallsreiche, mit selbstreflexiven Momenten und ironischen Bezügen auf die damalige Unterhaltungskultur gespickte Komödie träumt von einem Kino, das zugleich sozialkritisch und spielerisch ist. 1 + 1 = 3 fasziniert als Meditation über die widersprüchliche Funktion der Institution Ehe in der kapitalistischen Gesellschaft und als Dokument der Vielfalt und Komplexität des Kinos der Weimarer Republik. „Der Film hat seine Überlegenheit dem Wort gegenüber in erstaunlicher Weise dokumentiert. Man zeigt hier Bildvorgänge, vor denen das Wort sich geniert und errötet. Der freche Vorstoß ins Heikle, Unmoralische – vom Standpunkt der bürgerlichen Gesellschaftsmoral – ward noch nie so kühn im Film vollzogen.“ (Ernst Jäger, Film-Kurier, 10.12.1927). (nb) FR 31.01. um 18.30 Uhr · Am Flügel: Peter Gotthardt + Einführung: Nicholas Baer