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Einführung: Christian Lenz

Mehr noch als alle Vorgänger-Technologien begünstigen Digitalkameras Filmprojekte, die von der Planung über den Dreh bis zur Post-Produktion als Unternehmung eines einzelnen Recherche-Autors organisiert sind. Eines der wenigen radikalen Beispiele für eine solche Produktion aus Deutschland ist Romuald Karmakars Land der Vernichtung, in dem der Regisseur, ausgerüstet mit nur mit einer MiniDV-Kamera, den Spuren nachgeht, die der deutsche Genozid an den europäischen Juden im zeitgenössischen Polen hinterlassen hat. Das Werk verschleiert dabei nicht die Schwierigkeiten, mit denen eine solche Arbeitsweise einhergeht und zeigt etwa offen die Sprachprobleme, die zwischen Karmakar und der örtlichen Bevölkerung bestehen.

Konzipiert war Land der Vernichtung eigentlich als Recherche-Projekt für eine nie realisierte Spielfilm-Arbeit über das Hamburger Reserve-Polizei-Bataillon 101, das während des Zweiten Weltkriegs direkt an der Deportation und Ermordung zehntausender Juden beteiligt war. Erst nach Sichtung der Aufnahmen entschied sich Karmakar, einen eigenen Dokumentarfilm aus den über 15 Stunden gedrehten Materials zu montieren. Bei seiner Premiere auf der Berlinale 2004 stieß das Werk auf kontroverse Resonanz; für eine spätere Fernsehausstrahlung wurde eine Szene entfernt. Wir zeigen Land der Vernichtung zum ersten Mal seit langer Zeit in der ungekürzten Version. (chl)

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