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Kurzfilmprogramm

China Concerto

China Concerto CHN/USA 2012, R/K/S/P: Bo Wang, 50' · Blu-ray, OmeU, Deutschlandpremiere SA 08.10. um 19 Uhr · Zu Gast: Bo Wang Seit dem Tian'anmen-Massaker 1989 erlebte China einen beispiellosen wirtschaftlichen Boom, bei gleichzeitiger Entpolitisierung der Gesellschaft. Doch hinter den kapitalistischen Glitzerfassaden verbergen sich ideologische Altlasten. Diese Widersprüchlichkeit auf erhellende wie unterhaltsame Weise sichtbar zu machen, ist die Leistung von Bo Wangs Film China Concerto. Zu sehen sind Ausschnitte aus alten Propagandafilmen und aktuellen TV-Sendungen, Passagen aus Antonionis bahnbrechendem China-Film von 1972 sowie Bilder höchst eigenartiger Veranstaltungen, auf denen Gruppen meist älterer Bürger zu kommunistischen Popsongs tanzen. Dies alles verdichtet Wang mit einer englischen Voice-Over-Erzählung, die unverkennbar an Chris Markers Sans Soleil anknüpft, zu einem gleichermaßen verstörenden wie emotionalen Filmessay. Der seit Langem in New York lebende Bo Wang ist für einen kritischen Blick auf die Janusköpfigkeit Chinas prädestiniert. Denn sein Blick ist weder der eines Insiders, noch eines westlichen Außenstehenden, er ist etwas Drittes. Geschult an westlichen Theoretikern wie Guy Debord dekonstruiert ein chinesischer Dokumentarfilmer die ideologischen Spektakel in seiner Heimatstadt Chongqing, wo der Provinzpolitiker Bo Xilai vor einigen Jahren eine Art kommunistische Konterrevolution versuchte. Wangs nüchterne Aufmerksamkeit für das Beiläufige am Rande durchdringt die verwirrenden Oberflächen des modernen Chinas und ermöglicht uns einen Blick auf das Individuelle und Emotionale jenseits aller Spektakel. (sth)