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Cyankali

Paul und Hete arbeiten in einem Stahlbetrieb. Das junge Paar lebt in ärmlichen Verhältnissen und kann sich keine eigene Wohnung leisten. Als Hete schwanger wird, würde sie das Kind am liebsten bekommen, eine kleine Wohnküche würde ja schon reichen. Doch als ein Streik mit Aussperrung und ohne Lohnfortzahlung beginnt, verschlechtert sich Hetes Lage weiter. Als ihr bei einem Vergewaltigungsversuch durch den Vermieter Prosnick ein Instrument zur Abtreibung in die Hände fällt, nimmt Hetes Schicksal seinen auf. Nach einem fehlgeschlagenen Selbstversuch treibt es sie in die Hände einer Engelmacherin, die ihr das verhängnisvolle, titelgebende Gift mit auf den Weg gibt.

Das sozialtragische Großstadt-Märchen Cyankali untermauert mit offiziellen Zahlen aus der Weimarer Republik die Dringlichkeit zur Abtreibungsreform und inszeniert den Konflikt um den Paragraphen 218 als Klassenfrage. In Großaufnahmen werden Einzelne als gemarterte Masse portraitiert und die elenden Eindrücke des Großstadtlebens verketten sich zu einem gesellschaftlichen Sinnbild der Zeit: Arbeitslosigkeit, Armut, Alkoholsucht. Das eindrückliche Schauspiel von Grete Mosheim als Hete steigert sich in der Schluss-Szene durch den dramatischen Wechsel vom Stumm- in den Tonfilm. Nach mehreren Zensurfassungen und Aufführverboten wurde der Film 1930 in Berlin uraufgeführt und zirkulierte unter anderem als Aufklärungsfilm. (fib)

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