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Hamburg, Mitte der 1930er Jahre. Der Kommunist Arnold hat Angst vor der Gestapo, und gegenüber seinem neuen, ebenfalls illegalen Mitkämpfer Walter empfindet er wachsendes Misstrauen. Seine Freunde, die Kinoleiterin Fritzsche und der Tabakhändler Deisen, wollen ihn für die „gute Sache“ der Nazis gewinnen. Seine Geliebte Renate, Tochter eines Hamburger Großindustriellen, kann nur im Verborgenen zu ihm halten. Ein komplexes Knäuel widerstreitender Gefühle und Neigungen, das Arnold täglich aufs Neue auf existentielle Proben stellt.

In Fabelführung und Bildästhetik weicht Dein unbekannter Bruder erheblich vom DDR-Kanon des antifaschistischen Widerstands ab. Regisseur und Drehbuchautor Ulrich Weiß verstärkte die lebensbedrohende Atmosphäre der Fabel durch eine expressive und überwältigende Bildsprache. Und er vermied jede Aktualisierung und (die sonst in der DDR weitverbreitete) Heroisierung des antifaschistischen Kampfes. Diese Entscheidungen brachten Ulrich Weiß herbe Kritik der DDR-Oberen ein. Obwohl Dein unbekannter Bruder zum Festival in Cannes eingeladen worden war, durfte er dort nicht gezeigt werden. Im Kinobetrieb klein gehalten, wurde Weiß‘ Film in der DDR nur selten gezeigt, obwohl er mit seinem appellativen Titel jeden Zuschauer erreichen wollte. (ga)

Günter Agde ist Filmhistoriker, Autor und Mitglied von CineGraph Babelsberg. Zuletzt erschien die 2023 von ihm herausgegebene Anthologie Kunerts Kino.

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