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Berlin 1980. Einschusslöcher an den grauen Hausfassaden, die Ruinen des Ephraim-Palais, Baulücken und Brandwände zeugen noch von der gewaltsamen deutschen Vergangenheit. Jeanine Meerapfel, Tochter deutsch-jüdischer Emigranten, die in Argentinien aufwuchs und zum Filmstudium nach Deutschland ‚zurückkehrte', geht hier auf Spurensuche nach ihren Wurzeln. Kann das Land ihrer Eltern auch ihr Land sein?

Gemeinsam mit einem Mädchen streift sie auf der Suche nach Zeichen jüdischer Geschichte durch die Stadt. Sie befragt Menschen, die aus England, Frankreich, der Ukraine, Litauen, der Türkei gekommen sind, wie es ist, heute als Juden und Eingewanderte in Deutschland zu leben. Sie filmt die Orte, die ihnen wichtig sind – Hinterhofwohnungen, Küchen, Werkstätten – und die Feste, die sie feiern. Die Befragten geben Auskunft darüber, was Heimat und ihre jüdische Identität für sie bedeuten, wie sie Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in einem Land erleben, das sich seiner Vergangenheit nicht stellt. Entstanden ist das faszinierende Dokument einer Identitätssuche und ein Porträt der Berliner Stadtlandschaft der 1980er Jahre, dessen gesellschaftspolitische Analyse angesichts des heute erstarkenden Rechtsradikalismus auf beunruhigende Weise aktuell ist. (bh)