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Katz und Maus

BRD 1967, R/B: Hansjürgen Pohland, K: Wolf Wirth, M: Attila Zoller, D: Lars Brandt, Peter Brandt, Claudia Bremer, Wolfgang Neuss, Ingrid van Bergen, 88’ · 35 mm Vorprogramm: Projekt Katz und Maus BRD 1965, R: Michael Klier, 9’ · 16 mm Mit dieser ersten Adaption eines Buches von Günter Grass setzte sich Pohland zwischen alle Stühle: Die einen warfen ihm vor, zu nah an der Vorlage geblieben zu sein, die anderen, sich zu weit von ihr entfernt und sie nicht verstanden zu haben. Linke hielten das Ergebnis für zu unkritisch, Rechte zürnten bereits dem „Nestbeschmutzer“ Grass, der sich hier über das Ritterkreuz und dessen Träger lustig machte. Wobei man streiten kann, ob die Geschichte des hageren jungen Mahlke, der im Zweiten Weltkrieg nach dem hohen NS-Militärorden strebt, um von seinem großen Adamsapfel abzulenken, nicht ebenso konstruiert ist, wie sich die Besessenheit seines Mitschülers Pilenz für diesen Mahlke bereits im Buch nicht recht vermittelt. Für zusätzliche Aufregung sorgte eine – in der Novelle wie im Film nur angedeutete – Masturbationsszene, die durch ihre zurückhaltende Inszenierung heute fast nicht mehr erkennbar ist. Und nicht zuletzt verursachte die Darstellung des Mahlke durch die beiden älteren Söhne Willy Brandts, der kurz vor der Uraufführung vom Regierenden Bürgermeister Berlins zum Bundesaußenminister geworden war, für Anfeindungen. In diesem Spannungsfeld wurde das Projekt, von Pohland spätestens seit 1962 verfolgt und hauptsächlich am Originalschauplatz in Danzig und Umgebung gedreht, zu einem Flop bei der Kritik wie an der Kasse. Zugleich avancierte es zu einem Wendepunkt in Pohlands Laufbahn: Jahrelang der wichtigste westdeutsche Nachwuchsproduzent, galt er vielen Kollegen und vor allem Kritikern nun, da der „Junge Deutsche Film“ endlich richtig in Gang kam, offenbar als erledigt. Seine weiteren Arbeiten wurden in der Bundesrepublik weitgehend ignoriert, Pohland von Filmhistorikern zu einer Fußnote der deutschen Filmgeschichte degradiert. Ironischerweise sollte ausgerechnet Katz und Maus zu seinem bekanntesten Werk werden, und für lange Zeit zu dem einzigen, mit dem selbst Cinèasten Pohlands Namen noch verbanden. Als Vorfilm läuft ein kurzer Bericht, den Michael Klier 1965 für den Sender Freies Berlin über Pohlands Vorbereitungen zum Katz und Maus-Dreh schuf. Pohland hatte 1963 den allerersten Kurzfilm des damals zwanzigjährigen Klier produziert. (gym) Die Kopie von Projekt Katz und Maus stammt aus unserer Sammlung. DO 11.12. um 20 Uhr + SA 13.12. um 19 Uhr · Zu Gast am 11.12.: Michael Klier