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La grande illusion

F 1937, R: Jean Renoir, B: Jean Renoir, Charles Spaak, K: Christian Matras, D: Pierre Fresnay, Erich von Stroheim, Jean Gabin, Julien Carette, Marcel Dalio, Dita Parlo, 117’ · 35 mm, OmeU Hunderttausende Soldaten geraten im Ersten Weltkrieg in Gefangenschaft und verbringen Monate und Jahre fern von ihren Angehörigen in Gefangenenlagern. Jean Renoir erzählt in La grande illusion von der Gefangenschaft dreier französischer Flieger in einem deutschen Lager. In langen Gesprächen entwickelt sich dort eine Art von Freundschaft zwischen zwei Männern, die sich gerade noch als Feinde bekämpft haben: dem französischen Offizier de Boeldieu (Pierre Fresnay) und dem deutschen Lagerkommandanten von Rauffenstein (Erich von Stroheim). Was sie verbindet, ist ihre adlige Herkunft, ihre Bildung, ihre Vorstellungen von Ritterlichkeit und Ehre. Genau wie die Hoffnung auf Frieden und eine im Film aufscheinende deutsch-französische Liebesbeziehung erweisen sich diese Vorstellungen als Illusionen. Als de Boeldieu die Flucht seiner Kameraden – eines Arbeiters und eines Juden – deckt, bricht die Fassade zusammen. Wie die Figuren im Film hatten Renoir und sein deutscher Assistent und Vertrauter Carl Koch im Krieg gegeneinander gekämpft; später entwickelten sie sich zu entschiedenen Kriegsgegnern. Beide waren besorgt über die politische Entwicklung in Europa Mitte der 1930er Jahre, die auf einen erneuten Krieg zwischen Deutschland und Frankreich zulief. Kaum verwunderlich, dass Renoirs kluge, pazifistische, wunderbar inszenierte Parabel im „Dritten Reich“ nicht ins Kino kam. Als die französische Besatzungsbehörde La grande illusion zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, zwei Jahre nach dem Holocaust und Millionen neuer Toter, in einer Sondervorführung zeigt, schreibt die Berliner Zeitung: „Wer fühlte sich nicht nachträglich beschämt? Ist denn nicht Reue immerhin ein beträchtlicher moralischer Faktor? Wird in diesem Film nicht in jeder Szene der Widersinn des Krieges demonstriert, der hüben und drüben verblendet? Es lassen sich radikalere Antikriegsfilme denken, aber dieser wäre in seiner spezifischen Absicht gerade bei uns und für uns wirksam. Es wäre dann an uns, zu zeigen, daß die Hoffnungen der Besten nicht durchaus Illusion bleiben müssen. Auch wenn ein Film wie dieser heute ‚historisch’ wirkt, bleibt er doch im höchsten Maße sehens- und erlebenswert, auch deshalb, weil er künstlerisch auf außerordentlicher Höhe steht.“ (28.10.1947) (ps) Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Centre Marc Bloch und mit freundlicher Unterstützung des Institut français. DO 17.07. um 19 Uhr · Einführung: Nicolas Beaupré