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Tätowierung

Tätowierung BRD 1967, R: Johannes Schaaf, B: Günter Herburger, Johannes Schaaf, K: Wolf Wirth, M: George Gruntz, D: Christof Wackernagel, Helga Anders, Rosemarie Fendel, Alexander May, Heinz Meier, Tilo von Berlepsch, Heinz Schubert, 86’ · DCP DO 29.11. um 20 Uhr + SO 02.12. um 18 Uhr · Einführung am 29.11.: Jan Gympel Ein gutbürgerliches Berliner Ehepaar mittleren Alters nimmt den halbwüchsigen Heimzögling Benno bei sich auf. Die Güte, Geduld und Toleranz, mit der das Paar ihn zu „bessern“ versucht, kennt keine Grenzen und wirkt zuweilen penetrant. Als er mit der gleichaltrigen Pflegetochter intim wird, wird dies freudig registriert. In Wahrheit gehen die Pflegeeltern aber überhaupt nicht auf den Jungen ein, sondern wollen ihn nach ihrem Vorbild formen. Dies reizt ihn zu immer neuen Provokationen und anderen Akten der Rebellion, bis hin zu einer ultimativen Gewalttat. Nach sechs Fernsehfilmen war Tätowierung die erste Kinoregie (und der erste Farbfilm) von Johannes Schaaf. Günter Herburger, der die Idee geliefert hatte und mit Schaaf das Drehbuch schrieb, war damals ein vielbeschäftigter und vielbeachteter Schriftsteller und Filmautor, Rob Houwer – Unterzeichner des Oberhausener Manifests – in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre einer der wichtigsten Produzenten des Jungen Deutschen Films. Uraufgeführt im Juni 1967 im Wettbewerb der Berlinale, traf Tätowierung auf die aufgeheizte Stimmung in der Stadt und ein politisches Klima, das sich auf allen Seiten rasant radikalisierte. Während über Tätowierung viel diskutiert wurde, wurde Wirth allenfalls mal wieder dafür gescholten, allzu reizvoll fotografiert zu haben. Raimund Le Viseur meinte hingegen: „Für Wolf Wirth, den oft geschmähten Selbstzweck-Virtuosen, sollte ein Kamerapreis der Berlinale eingeführt werden. Wohl noch nie fotografierte er derart diszipliniert, empfindlich und in Zusammenhängen planend.“ (Der Abend, 28.6.1967) (gym)