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Kurzfilmprogramm

Vredens Dag

Der amerikanische Filmkritiker Jonathan Rosenbaum bezeichnet Carl Theodor Dreyers 1943 im von Deutschland besetzten Dänemark entstandenen Tag der Rache als den „vielleicht besten Film über das Leben unter totalitärer Herrschaft”. Tatsächlich liegt es nahe, die in Tag der Rache evozierte allgegenwärtige Stimmung des sozialen Kleinmuts, in der über kurz oder lang jegliche emotionale Freiheit ersticken muss, als einen Kommentar zum Leben unter dem Nationalsozialismus zu verstehen. Die Handlung spielt allerdings einige Jahrhunderte früher: Im Jahr 1623 wird eine alte Frau aufgrund einer Denunziation als Hexe verbrannt. Auch die Pfarrersgattin Anne, die der Alten Zuflucht gewährt hatte, gerät unter Verdacht. Die Inquisition erscheint nicht als das Werk einzelner Bösewichte, sondern als eine Art Krankheit, die die Gesellschaft als Ganzes heimsucht. Dreyers hochkontrollierte, minimalistische Filmsprache und die Kameraarbeit im kontrastreichen Schwarz-Weiß tragen zur beklemmenden Atmosphäre bei. (lf)