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Als er kaum noch hören konnte, verständigte sich Beethoven mithilfe von „Konversationsheften“ mit seiner Umwelt. Verwandte, Freunde oder Geschäftspartner schrieben ihm in diese Hefte Sätze oder nur einzelne Wörter. Mit frontaler Kameraperspektive konzentriert sich die belgische Künstlerin Ana Torfs in ihrem experimentellen Spielfilm auf jene Momente, in denen Beethovens Gesprächspartner abwarten, bis der Komponist ihre Nachrichten gelesen hat. Zuweilen wirken die Alltagskleinigkeiten banal, wiederholt wird Beethoven zur Komposition einer geldbringenden Oper geraten und sogar der Neffe Karl wirkt überraschend sympathisch.

Durch die strenge, fast starre und genau getaktete Inszenierung gelingt es Torfs, ein eindringliches Bild von der Isolation und Abgeschiedenheit Beethovens in seinen letzten, aber entscheidenden Lebensjahren zu zeichnen. „In Torfs‘ Film stellt der normale Beethoven all das dar, was nicht Teil unseres Bildes des Komponisten werden will, und so ‚musste‘ Beethoven aus dem Film verschwinden. Wenn wir den Mythos außer Acht lassen, ist der normale Beethoven in Zyklus von Kleinigkeiten das, was von Beethoven übrigbleibt. Es ist fast nichts – die abstrakte Nähe eines sprachlosen Körpers, der nicht einmal gezeigt werden kann, an dem aber dennoch alle Botschaften und Gesten zum Stillstand kommen“ (Dirk Pültau). (sa)