Die Kleidermotte
25. Mai 2026
3 Min.
Bewahren
25. Mai 2026 Lesedauer 3 Min.
In Teil 3 unserer Reihe zur Schädlingsbekämpfung im Museum stellen wir den Brotkäfer vor.

Ein Brotkäfer im Museum, Foto: Hannah Neumann
Der Brotkäfer (Stegobium paniceum) ist circa 3 mm groß und hat einen länglich ovalen Körperbau mit rötlichbraunen Flügeln, die mit feinen Haaren und Rillen besetzt sind. Seine Zugehörigkeit zur Familie der Nagekäfer ist deutlich an seinem breitem Halsschild zu erkennen, der wie eine Kapuze den Kopf verdeckt. Er kann optisch daher leicht mit dem gemeinen Nagekäfer (Anobium punctatum) verwechselt werden, der jedoch kein Vorrats-, sondern ein Holzschädling ist. Eine weitere Verwechslungsgefahr besteht mit einem anderen Verwandten, dem Tabakkäfer, der dem Brotkäfer in Größe und Gestalt sehr ähnlich sieht. Er besitzt jedoch nach innen gesägte Antennen und keine dreigliedrige Fühlerkeule, wie der Brotkäfer.
Der Name „Brotkäfer“ ist jedoch irreführend, da er sich nicht nur von Getreideprodukten ernährt, sondern – als Generalist – ein breites Spektrum pflanzlicher und tierischer Nahrung befällt. Im Museumskontext sind es vor allem Herbarien, (Volks-)Kunst aus Salzteig oder ähnliches, Polster aus pflanzlichen Materialien, verkleisterte Papiere sowie historische Bücher, die durch ihn gefährdet sind – im Volksmund wurde er daher auch „Bücherwurm“ genannt. Wie dieser Name schon vermuten lässt, sind die eigentlichen Schädlinge seine weißlichen Larven. Sie sind je nach Entwicklungsstand zwischen 0,5 und 5 mm lang und haben Haare am gesamten Körper. Außerdem sind sie – ähnlich wie Engerlinge – gekrümmt. Im vorderen Bereich besitzen die Larven drei Beinpaare; ihr dunkles Mundwerkzeug hebt sich von der hellbraunen Kopfkapsel deutlich ab. Bei Zimmertemperatur fressen sie zwei bis drei Monate stärkehaltige Nahrung, bevor sie sich verpuppen, bei höheren Temperaturen kann die Entwicklung auch schneller ablaufen. Anfangs sind sie sehr aktiv und können sich im Haus leicht verbreiten. Dabei sind sie in der Lage, auch durch kleine Ritzen oder Falten, wie Klebe- oder Schweißstellen an Kartons oder Folienverpackungen, in das Nahrungssubstrat einzudringen oder sich durchzubeißen. Später werden sie träge und verbleiben an einem Ort. Nach mehreren Häutungen bauen sich die Larven für die Verpuppung einen ovalen Kokon aus Nahrungsteilen und Kot, den sie – bei loser Futtergrundlage – zum Beispiel an die Verpackungswände heften. Sie können aber auch eine Höhlung in feste Materialien, wie Pressspan oder Trockenbauwände, bohren, die sie dann mit Sekret auskleiden.

Buch mit Fraßspuren, Foto: Hannah Neumann
Nach dem zweiwöchigen Verpuppungsstadium nagt sich der Brotkäfer aus dem Kokon und fliegt aus circa 1 mm großen, kreisrunden Löchern. Die Käfer sind sofort paarungsbereit, wenige Tage danach legt das Weibchen um die 100 Eier einzeln auf einem Nahrungssubstrat oder in nahegelegenen Spalten ab. Die adulten Käfer selbst nehmen keine Nahrung mehr zu sich. Bei günstigen Bedingungen kann der Lebenszyklus drei bis vier Monate andauern, bis eine neue Generation entsteht, daher kann es schnell zu einem Massenbefall kommen. Die Käfer sind sehr flugaktiv und können vor allem in den Sommermonaten durch ein geöffnetes Fenster ins Gebäude gelangen oder aber durch bereits befallene Nahrung eingeschleppt werden. Da die Tiere nach der Eiablage phototaktisch sind, also vom Licht angezogen werden, findet man sie bei einem Befall häufig an Fensterbänken.
Der Käfer stammt ursprünglich aus den trockenen Regionen Afrikas und bevorzugt warmes Klima. Bei Temperaturen unter 16 Grad Celsius wird die Entwicklung von Brotkäfern gestoppt, sie werden aber erst ab –18 Grad abgetötet. In der freien Natur lebt der Brotkäfer in Wespen- und Vogelnestern oder in Baumhöhlen. Seine Entwicklung kann aber auch ausschließlich im Gebäude ablaufen.

Deutlich kleiner als die kleinste Münze, Foto: Hannah Neumann
Hannah Neumann ist am DHM für „Integrated Pest Management“ (IPM) und präventive Konservierung zuständig.