Die Kleidermotte

25. Mai 2026 Lesedauer 3 Min.

Nachdem wir uns in Teil 1 unserer Reihe zur Schädlingsbekämpfung im Museum dem Thema „Integrated Pest Management“ gewidmet haben, steht in Teil 2 die Kleidermotte im Mittelpunkt.

Eine blasse Kleidermotte mit strohgelb gefärbten Flügeln

Kleidermotte (Tineola bisselliella), maximale Lebensdauer - kaum mehr als zwei Wochen, Foto: Hannah Neumann

Gespinströhre der Kleidermotte, Foto: Hannah Neumann

Die Kleidermotte (Tineola bisselliella) gehört zur Gruppe der Nachtfalter. Im Gegensatz zu anderen Arten dieser Gruppe wird sie aber nicht vom Licht angezogen – sie ist im Gegenteil sehr lichtscheu und sucht sofort ein Versteck, wenn sie gestört wird. Sie wird bis zu 7 mm groß und hat je nach Nahrungsquelle der Larven stroh- bis goldgelb gefärbte Flügel ohne Flecken oder Zeichnungen – sie ist daher von anderen Mottenarten gut zu unterscheiden. In warmer Umgebung können vor allem die männlichen Tiere weitere Strecken von mehreren hundert Metern fliegend zurücklegen. Charakteristisch ist ihr taumeln-flatternder Flug, der sie von ihren Verwandten, den Lebensmittelmotten, unterscheiden; bei kälteren Temperaturen sind sie weniger aktiv. Die Weibchen sind eher schnelle Läuferinnen und bleiben generell lieber am Boden und fliegen erst nach der Eiablage.

In ihrem etwas mehr als zweiwöchigen Leben legt das Weibchen nach der Paarung bis zu 250 Eier einzeln und lose auf einer geeigneten Nahrungsgrundlage ab. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen daraus weißlich-transparente Larven. Diese Larven sind die eigentlichen Schädlinge; die erwachsenen Tiere haben verkümmerte Mundwerkzeuge und nehmen keine Nahrung mehr zu sich.

Sofort nach dem Schlüpfen beginnen die Larven, mit Seidenfäden aus ihren Spinndrüsen und aus Materialien der Umgebung sowie ihren Exkrementen, Gespinströhren zu bauen. Diese sind zu beiden Seiten offen, dienen als Schutz gegen Austrocknung sowie Fressfeinde und werden nur selten verlassen. Als Nahrung bevorzugen die Larven eiweißhaltiges Keratin, aus dem Wolle, Seide, Federn oder Haare bestehen. Neben Textilien und Pelzen werden also auch Polstermöbel mit Rosshaarfüllung oder Teppiche befallen. Staubansammlungen, zum Beispiel unter Vitrinen oder in Lüftungsgittern, bieten den Larven ebenfalls ausreichend Nahrung. Mikroskopisch betrachtet besteht Staub unter anderem aus Haaren, Hautschuppen oder Wollabrieb – also aus dem für die Entwicklung der Larven wichtigen tierischen Eiweiß. 

Um geeignete Nahrung zu finden, orientieren sich die Larven anhand olfaktorischer Reize, die von keratinhaltiger Nahrung ausgehen. Aber auch Duftstoffe aus Schweiß, Hautschuppen oder Schmutz wirken für sie anziehend.

Die Fraßschäden zeigen sich deutlich durch kleine, unregelmäßige Löcher, die über das Gewebe verteilt sind. Dies unterscheidet sie von anderen Textilschädlingen. Pelze und Felle werden am Haaransatz angefressen, so dass kahle Stellen bleiben. Kunstseide und synthetische Gewebe können durchlöchert, aber nicht verdaut werden.

Nach drei bis sechs Wochen (je nach Temperatur und Nahrungsangebot) und mehreren Häutungen ist die Nahrungsaufnahme abgeschlossen. Die Raupe baut sich für die Verpuppung einen Kokon, der dickwandig und an beiden Seiten geschlossen ist. In diesem vollzieht sich die Metamorphose zum Falter. Nach weiteren zwei bis vier Wochen schlüpft die Kleidermotte. Das vom Weibchen ausgehende Sexual-Pheromon lockt sofort Männchen an. Kurz nach der Paarung legt das Weibchen die Eier an versteckten Orten direkt auf der Nahrungsgrundlage ab – ein neuer Zyklus beginnt.

Unter günstigen Umständen (warm und trocken) dauert die Entwicklung zum adulten Tier etwa 60 Tage; es sind also bis zu vier Lebenszyklen in einem Jahr möglich. Bei niedrigen Temperaturen können Larven über längere Zeit eine Fraßpause einlegen, wodurch sich die Entwicklung verzögert. Sobald es wieder wärmer wird, nehmen sie die Nahrungsaufnahme erneut auf.    

Zum Nachweis von Kleidermotten werden Pheromonfallen verwendet. Sie imitieren das weibliche Sexualpheromon und locken dadurch paarungswillige Männchen an, die an der Falle haften bleiben. Ein Befall kann dadurch frühzeitig erkannt werden.

Larve einer Kleidermotte mit schwarzen Wollpartikeln im Inneren, Foto: Hannah Neumann

Die Autorin

Hannah Neumann

Hannah Neumann ist am DHM für „Integrated Pest Management“ (IPM) und präventive Konservierung zuständig.

Quellen und Nachweise

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Auf unserer Website werden neben den technisch unbedingt notwendigen Cookies noch Cookies zur statistischen Auswertung gesetzt.

Statistik und Analyse

Diese Cookies helfen uns, Informationen über die Nutzungsweise und das Besucherverhalten auf unserer Website zu erhalten. Dadurch können wir unser Angebot kontinuierlich verbessern und an Ihre Bedürfnisse anpassen. Sie können die Website auch ohne diese Analyse Cookies nutzen. Durch Klicken auf „Alle auswählen" erklären Sie sich einverstanden, dass wir Cookies zu Analyse-Zwecken setzen. Das Einverständnis in die Verwendung der Cookies können Sie jederzeit widerrufen. Weitere Informationen zu Cookies auf dieser Website finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und zu uns im Impressum.