Der Brotkäfer
25. Mai 2026
3 Min.
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25. Mai 2026 Lesedauer 3 Min.
Der Begriff IPM steht für „Integrated Pest Management“ und kommt ursprünglich aus der Lebensmittelbranche, seit den 1980er Jahren wird dieses Konzept der integrierten Schädlingsbekämpfung aber auch erfolgreich in Kultureinrichtungen angewandt. Ausgangspunkt in beiden Bereichen war das Vermeiden von Pestiziden, die für Mensch, Objekt und Umwelt eine deutliche Belastung darstellen. Teil 1 unserer Reihe zur Schädlingsbekämpfung im Museum stellt das Konzept näher vor.

Bestimmung von Schädlingen im Rahmen des „Integrated Pest Management“, Foto: Hannah Neumann
Dieses präventive Bekämpfungskonzept ist im Deutschen Historischen Museum seit 2023 als eigene feste Stelle in der Restaurierungsabteilung verankert. Ziel ist es, die Entwicklung von Schädlingspopulationen gezielt zu verhindern und die Sammlungen langfristig schädlingsfrei zu halten.
Ein zentrales Element ist bei dieser Aufgabe die Kenntnis der relevanten Arten und ihrer Lebensweisen. Wie nimmt ein Papierfischchen Wasser auf? Wie kann sich eine Kleidermotte in Ausstellungsräumen etablieren? Warum ist es wichtig, bei Brotkäfern schnell zu handeln? Nur wenn verstanden wird, wie sich einzelne Schädlinge verhalten und welche Bedingungen sie benötigen, können geeignete Maßnahmen ergriffen werden.
Darauf aufbauend bildet das Monitoring die Grundlage der praktischen Arbeit. Um einen möglichen Befall frühzeitig zu erkennen, werden in Ausstellungs- und Depoträumen sowie in Werkstätten, Büros und Technikräumen Klebe- und Pheromonfallen aufgestellt und regelmäßig kontrolliert. Eine Einteilung der Sammlung in Risikozonen bestimmt das jeweilige Kontrollintervall und richtet sich nach der Gefährdungsbeurteilung der Materialien: Objekte aus Holz, Papier oder Textilien tierischer und pflanzlicher Herkunft sind stärker gefährdet und werden häufiger kontrolliert als Objekte aus Metall oder Kunststoff.

Einsatz einer Insektenfalle im Rahmen des „Integrated Pest Management“, Foto: Hannah Neumann
Eine Sonderstellung nehmen die Ausstellungsräume ein: Durch das hohe Besuchsaufkommen entsteht dort ein erhöhtes Nahrungsangebot für Schadinsekten, etwa durch Abrieb von Kleidung sowie durch Haare und Hautschuppen – als Staubansammlung unter einer Vitrine dienen sie zum Beispiel als Nahrung für die Larve der Kleidermotte. Entsprechend erfolgen hier häufigere Kontrollen und ein erhöhtes Reinigungsintervall.
Auch in den Depots ist die Reinigung eine zentrale Strategie zur Verhinderung von Schadinsekten. Bereits geringe Nahrungsmengen – beispielsweise eine tote Fliege – bieten Speckkäferlarven ausreichend Nahrung für ihre Weiterentwicklung. Um dauerhaft saubere Böden zu gewährleisten, kommen in einigen der weitläufigen Depothallen programmierte Staubsaugerroboter zum Einsatz.
Auch die Anordnung von Regalen und Schränken beeinflusst die Populationsentwicklung: Wird ein Schrank unmittelbar an eine Außenwand gestellt, kann sich dahinter ein feuchteres Mikroklima bilden. Dieses Wasser aus der Luft kann dann zum Beispiel von einem Papierfischen über seine Anhänge am Hinterleib aufgenommen werden, was – in Kombination mit einem hinreichenden Nahrungsangebot – die Entwicklungsdauer beschleunigt. Dass diese bei einigen Arten sehr schnell ablaufen kann, zeigt der Brotkäfer, der bei geeigneten Umgebungsbedingungen mehrere Generationen pro Jahr mit jeweils bis zu hundert Nachkommen ausbilden kann.
Haben sich trotz präventiver Maßnahmen doch Schädlinge im Gebäude etabliert, gibt es mehrere objekt- und umweltschonende Bekämpfungsmethoden: Arten der Familie der Schlupfwespen parasitieren die Eier oder Larven ihrer Wirte, ausgelegtes Siciliumdioxid verletzt mit seiner scharfkantigen Oberfläche die Haut der darüber laufenden Papierfischchen.
Sollten bereits Objekte betroffen sein, gibt es verschiedene Möglichkeiten diese zu behandeln, um innewohnende Schädlinge abzutöten – abhängig von Material, Zustand und Art des Befalls. Dazu zählen der Einsatz von Hitze, Kälte, aber auch sogenannten Anoxiakammern, in denen Sauerstoff durch Eintrag von Stickstoff entzogen wird.
Hannah Neumann ist am DHM für „Integrated Pest Management“ (IPM) und präventive Konservierung zuständig.