„Ich bin mit der Grenze groß geworden“ – Edith Wolters über das Aufwachsen an der deutsch-niederländischen Grenze

3. November 2026 5 Min.

Die Ausstellung „Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung“ präsentiert rund 200 ausgewählte Objekte aus den Sammlungen des Deutschen Historischen Museums. Dinge, die nicht nur historische Entwicklungen dokumentieren, sondern vor allem persönliche Geschichten sichtbar machen, die mit ihnen verbunden sind.

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Die Geschichte der Berliner Mauer ist allgemein bekannt und wird auch in der aktuellen Ausstellung „Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung“ thematisiert. Aber noch eine Grenzmauer ganz anderer Art ist in der Ausstellung zu sehen. 

Von 1969 bis 1993 markierte ein aus 40 Zentimeter hohen Leicon-Betonblöcken bestehendes Mäuerchen den Verlauf der deutsch-niederländischen Staatsgrenze in den nördlich von Aachen gelegenen Grenzorten Herzogenrath (D) und Kerkrade (NL). Die Mauer teilte über eine Länge von zwei Kilometern die von zwei Zollstationen kontrollierte Verkehrsstraße in zwei Hälften. Inspiriert vom Schengener Abkommen und dem Fall der Berliner Mauer betrieben ab 1991 die Stadträte beider Gemeinden die Bildung des grenzüberschreitenden Zusammenarbeitsverbandes „EURODE“. 1993 bis 1995 erfolgte im Zuge der Neugestaltung der Neustraße/Nieuwstraat der Abbruch der Grenzmauer. Beide Städte bilden seither die erste symbolische europäische Doppelstadt Eurode. Zwei Betonblöcke der Grenzmauer gelangten damals ins Deutsche Historische Museum.

Ein illustrierter „Zeitstrahl“ erzählt in der Ausstellung die wechselvolle (Vor-)geschichte dieser heute nicht mehr sichtbaren Grenzmarkierung: von den Stacheldraht-„Todeszäunen“ des Ersten Weltkriegs, mit denen Deserteure und Schmuggler abgeschreckt werden sollten, über die Personenkontrollen der Geheimen Staatspolizei während der deutschen Besatzung (1940–1944), von der Hochzeit des Schmuggels, aber auch von gegenseitiger Annäherung und Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Ausstellungsansicht zeigt die Mauer, die Herzogenrath und Kerkrade trennte.

Die Ausstellungsansicht zeigt die Mauer, die Herzogenrath und Kerkrade trennte © DHM / David von Becker

Edith Wolters, Tochter einer deutschen Mutter und eines niederländischen Vaters, lebt bis heute im elterlichen Haus in Kerkrade. Sie ist eine von fünf Anwohner*innen der Grenze, die in der Ausstellung mit Video-Interviews zu ihrem Leben an und mit der Grenze vertreten sind. Im Interview spricht Edith Wolters über ihre „doppelte Identität“ und über die in der Familie bis heute gepflegte Mehrsprachigkeit, namentlich die Bedeutung des auf beiden Seiten der Grenze gesprochenen Dialekts, des „Kirchröads Platt“. Für die Ausstellung stellte sie mehrere Ausweisdokumente ihrer Eltern aus den 1940er und 1950er-Jahren zur Verfügung.

Der Autor

Das Bild zeigt ein Kniestück von Dr. Wolfgang Cortjaens, Sammlungsleiter Angewandte Kunst und Grafik am Deutschen Historischen Museum
Wolfgang Cortjaens

Dr. Wolfgang Cortjaens ist Sammlungsleiter Angewandte Kunst und Grafik am Deutschen Historischen Museum.

Quellen und Nachweise

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