Eine kurze Geschichte der Kartoffel: aus den Hochebenen Perus auf die Esstische Preußens
29. Mai 2026
4 Min.
Natur und deutsche Geschichte
27. Juli 2026 Lesedauer 3 Min.
Nach gründlichen Provenienzrecherchen hat das Deutsche Historische Museum im Juni 2026 ein Bronzerelief des belgischen Bildhauers Frans Huygelen (1878-1940) an die Stadt Dinant restituiert. In Anwesenheit des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland beim Königreich Belgien Martin Kotthaus und des Bürgermeisters von Dinant Richard Fournaux übergab DHM-Präsident Raphael Gross das Werk bei einer offiziellen Zeremonie in Dinant. Das um 1927 entstandene Relief ist Teil eines Denkmals in der belgischen Stadt, dessen Inschrift der Erschießung von belgischen Zivilistinnen und Zivilisten durch deutsche Soldaten zu Beginn des Ersten Weltkriegs am 23. August 1914 gewidmet ist. Brigitte Reineke, Leiterin Zentrale Dokumentation und Provenienzforschung am DHM, erzählt, wie es dazu kam.

Rückgabezeremonie, Relief von Frans Huygelen „Zur Erinnerung an Dinant“ am 12. Juni 2026 in Dinant, v.l.n.r. der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland beim Königreich Belgien Martin Kotthaus, DHM-Präsident Raphael Gross und der Bürgermeister von Dinant Richard Fournaux © SedranJPhotography

Enthülltes Relief von Frans Huygelen „Zur Erinnerung an Dinant“, um 1927, Bronze © SedranJPhotography

Detailaufnahme des Bronzereliefs © SedranJPhotography
Das Bronzerelief von Frans Huygelen galt in Belgien lange als verschollen. Wie verliefen die Nachforschungen?
Im Zuge der Sammlungsinventur hat sich die Kunstsammlung des DHM eingehender mit dem Bronzerelief beschäftigt – insbesondere ging es um die Frage, in welchem historischen Kontext das Relief entstand und welche Bedeutung es im ursprünglichen Gebrauchszusammenhang hatte. Dies sind genuine Fragen der Sammlungsarbeit, die nach Herkunft, Entstehung und Gebrauchskontext eines Objekts forscht. Im Zuge der Recherchen stieß ein Sammlungsmitarbeiter auf eine Postkarte von ca. 1930, auf der das Relief als Teil eines Denkmals in Dinant zu sehen ist. Es wurde als Erinnerung an das Massaker der deutschen kaiserlichen Truppen am Beginn des Ersten Weltkriegs aufgestellt. Weitere Recherchen brachten Archivalien zutage, auch unter Mitwirkung der Mitarbeitenden des Bürgermeisters in Dinant, die die Anordnung des Abrisses des Denkmals und die Versendung des Reliefs nach Deutschland während der deutschen Besatzung in der NS-Zeit belegten. Infolge dieser Recherchen haben wir natürlich die Rückgabe angeboten, die dann im Juni 2026 erfolgte.
Sie sagten, die Forschung nach der Herkunft und so auch die Provenienzforschung gehörten zu den genuinen Aufgaben von Museen. Welche Facetten weist die Erforschung der Herkunft von Objekten am DHM auf?
In dem Fall des Reliefs aus Dinant hat sich die Recherche nach der Herkunft und dem ursprünglichen Zusammenhang auch als Weg zur Klärung des tatsächlichen Eigentümers herausgestellt. Die Frage nach der ursprünglichen Herkunft ist letztlich immer die grundlegende Frage, auch wenn es um Provenienzforschung im engeren Sinne geht, wie wir sie heute und aktuell, speziell auf bestimmte historische Unrechtskontexte bezogen, verstehen. In der Sammlungsarbeit und der Objektforschung geht es grundsätzlich um die historischen Umstände der Entstehung und um die ursprünglichen Eigentümer und deren Wechsel – im Falle der Provenienzforschung darüber hinaus explizit um erzwungene Eigentümerwechsel im Rahmen der Enteignungen in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Recherchen zu Entzugskontexten in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR. Dies sind unsere Schwerpunktfelder der Provenienzforschung. Bedarfsbezogen recherchieren wir darüber hinaus auch zu Objekten aus kolonialen Kontexten und zu Kriegsverlusten.
Die Sammlung des DHM umfasst rund eine Million sehr unterschiedliche Objekte der deutschen Geschichte im internationalen Zusammenhang – vom Spätmittelalter bis zur unmittelbaren Gegenwart. Diese stammen aus den Beständen des preußischen Zeughauses, des Museums für Deutsche Geschichte der DDR (MfDG) und den Erwerbungen des DHM seit seiner Gründung im Jahr 1987. Wie gehen Sie im Rahmen der Provenienzforschung mit dieser Vielzahl an Objekten um?
Wir versuchen verschiedene Wege zu gehen: Das Team besteht – außer mir als Leitung – aus einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin für den Bereich NS-Raubgutforschung und einem wissenschaftlichen Mitarbeiter mit dem Forschungsschwerpunkt SBZ und DDR. Darüber hinaus führt eine weitere wissenschaftliche Mitarbeiterin in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste Grundlagenforschungsprojekte bezüglich der verschlungenen Objektbewegungen in SBZ und DDR durch. Diese Aufteilung zeigt die unterschiedlichen Wege, die wir in der Provenienzforschung am DHM aufgrund unserer Sammlungsgeschichte gehen. Wir betreiben systematische Bestandsforschung für beide Schwerpunktfelder – momentan speziell zu den Objekten der Angewandten Kunst – und bearbeiten darüber hinaus Einzelobjekte aufgrund externer Anfragen oder aufgrund eigener Rechercheansätze. Die erwähnte Grundlagenforschung zur SBZ und DDR ist gerade aufgrund des Objektbestandes des MfDG, dem zentralen Geschichtsmuseum der DDR, den wir ja weiterhin verwahren und erforschen, fundamental für die Einschätzung von Rechercheergebnissen in diesem Schwerpunkt. Eine große Herausforderung ist die Überprüfung der Provenienzen für die geplante neue Ständige Ausstellung. Dafür sind Tausende von Objekten vorgesehen, für die wir Recherchen anstrengen – gerade die Unikate unter den Exponaten, meist künstlerische oder personenbezogene Objekte, werden wir in den nächsten Jahren untersuchen.

Bronzerelief von Frans Huygelen „Zur Erinnerung an Dinant“ bei der Rückgabezeremonie am 12. Juni 2026 in Dinant © SedranJPhotography

Postkarte des originalen Denkmals in Dinant, um 1930 © DHM

Foto des Denkmals mit Inschriften für die Opfer des Massakers 1914 und die Opfer des Zweiten Weltkriegs, Dinant, 2025 © DHM
Dr. Brigitte Reineke ist Leiterin Zentrale Dokumentation und Provenienzforschung am Deutschen Historischen Museum.