Henri Philippe Pétain 1856-1951

Militär, Politiker

  • 1856

    24. April: Henri Philippe Pétain wird in Cauchy-à-la-Tour (Frankreich) als Sohn des Bauern Omer-Verant Pétain und dessen Frau Clotilde geboren.

  • 1867-1875

    Pétain erhält an einem Privatkolleg in Saint-Bertin (Frankreich) eine von religiöser und militärischer Disziplin geprägte Ausbildung.

  • 1877

    Er wird in die Nationale Militärschule von Saint-Cyr (Frankreich) aufgenommen.

  • 1878

    Als Unterleutnant tritt Pétain in die französische Armee ein.

  • 1878-1887

    Er dient in verschiedenen Kommandos in Frankreich.

  • 1888

    Als Instrukteur an der Pariser Kriegsakademie wird er aufgrund seiner unkonventionellen Ablehnung einer reinen Offensivstrategie bekannt: Pétain hält die militärische Offensive seit der Erfindung des Maschinengewehrs für nicht mehr vertretbar. Diese Haltung hindert ihn an einem weiteren militärischen Aufstieg, da er damit im Gegensatz zur obersten militärischen Führung steht.

  • 1914

    Im Ersten Weltkrieg wird Pétain erstmals im aktiven Kriegsdienst eingesetzt. Gegen den deutschen Vormarsch in Belgien und Frankreich setzt er auf eine strenge Defensivstrategie. Deren Erfolg führt zu seiner Ernennung zum General.

  • 1916

    Gegen die auf Paris zielende deutsche Großoffensive baut Pétain eine massierte Verteidigung bei Verdun an der Meuse auf. Die monatelange Schlacht von Verdun und die erfolgreiche Defensivstrategie macht Pétain trotz der großen Verluste in ganz Frankreich zum "Helden von Verdun".

  • 1917

    30. April: Pétain wird als Nachfolger von Georges Robert Nivelles (1858-1924) zum Oberbefehlshaber der französischen Nordarmee ernannt. Große Teile der französischen Armee stehen kurz vor der Meuterei. Mit Disziplinarmaßnahmen und einer Verbesserung der Nachschuborganisation verhindert er den drohenden Zusammenbruch der Front.

  • 1918

    Die Planungen Pétains für eine Offensive in Lothringen werden durch das deutsche Waffenstillstandsangebot hinfällig.
    Am Ende des Kriegs ist Pétain neben Ferdinand Foch die führende Figur der französischen Armee. Er wird zum Marschall ernannt und ist Mitglied im einflußreichen Friedensrat der Armee.

  • 1920

    Vizepräsident des Obersten Armeerats.

  • 1922-1931

    Als Generalinspekteur der Armee forciert Pétain den Ausbau starker Verteidigungsanlagen an der französisch-deutschen Grenze. Gegen den Widerstand verschiedener junger Generale wie Charles de Gaulle, die eine mobile motorisierte Kriegführung fordern, setzt er die Errichtung der Maginot-Verteidigungslinie durch.

  • 1931

    Pétain vollzieht seinen Abschied aus der Armee.

  • 1934

    Er ist Kriegsminister im kurzlebigen Kabinett von Gaston Doumergue (1863-1937).

  • 1939

    Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs ist er Botschafter in Spanien.

  • 1940

    Mai: Der unerwartet erfolgreiche Vormarsch der deutschen Wehrmacht durch die Ardennen unter Umgehung der Maginot-Linie erschüttert das Vertrauen in die französische Regierung. Daher beruft Ministerpräsident Paul Reynaud den 84jährigen Pétain zu seinem Stellvertreter.
    14. Juni: Die Regierung flieht vor der drohenden Besetzung nach Bordeaux.
    17. Juni: Reynaud plädiert für eine Fortsetzung des militärischen Kampfs, bleibt aber mit dieser Ansicht im Kabinett in der Minderheit. Daraufhin tritt er zurück.
    18. Juni: Pétain bildet als neuer Ministerpräsident eine Regierung. Er sucht sofort um Waffenstillstandsverhandlungen nach. In London ruft de Gaulle unterdessen zur Fortführung des Widerstands auf.
    22. Juni: Der Abschluß des Waffenstillstands teilt Frankreich in einen besetzten Teil im Norden und in den unbesetzten und weiter unter französischer Verwaltung stehenden Süden. Pétain bleibt Regierungschef im unbesetzten Frankreich. Er lehnt einen aktiven Widerstand gegen die deutsche Besatzung ab und setzt stattdessen auf eine handlungsfähige französische Regierung. Er will damit eine völlige Besetzung Frankreichs verhindern.
    3. Juli: Der britische Ministerpräsident Winston Churchill läßt die französische Algerienflotte versenken, um deren Übernahme durch die Deutschen zu verhindern. Daraufhin bricht Pétain die Verbindungen zur britischen Regierung ab.
    10. Juli: Im Regierungssitz Vichy überträgt das Parlament ihm auf Betreiben von Pierre Laval die Vollmacht zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung.
    17. Juli: Pétain wird "Chef des französischen Staats" mit nahezu absoluten Vollmachten. Zu seinem Vertreter in der Vichy-Regierung wird Laval ernannt.
    24. Oktober: Bei einem Treffen mit Adolf Hitler verweigert Pétain den geforderten Kriegseintritt Frankreichs auf seiten der Deutschen.
    13. Dezember: Weil Laval eine Annäherung an das Deutsche Reich fordert, entläßt Pétain ihn und stellt ihn unter Hausarrest.

  • 1941

    Aufgrund einer autoritären Politik und zunehmender deutscher Repression verliert das Vichy-Regime an Rückhalt in der Bevölkerung.
    Oktober: Pétain läßt die ehemaligen Ministerpräsidenten Édouard Daladier und Léon Blum verhaften. Ihnen wird der Prozeß als "Hauptverantwortliche für die Niederlage" gemacht. Wegen der Unpopularität des Prozesses wird er jedoch später eingestellt.

  • 1942

    April: Auf Druck der Deutschen kehrt Laval in das Kabinett zurück und übernimmt die führende Rolle in der Regierung. Pétain verhandelt unterdessen mit den Alliierten über einen Waffenstillstand.
    November: Der alliierten Landung in Nordafrika leistet das Vichy-Regime keinen ernstgemeinten Widerstand. Daraufhin läßt Hitler auch den restlichen Teil Frankreichs besetzen. Pétain verliert damit fast jeglichen politischen Einfluß.

  • 1944

    August: Nach der Landung der Alliierten in der Normandie wird er von den Deutschen gefangengenommen und nach Deutschland gebracht.

  • 1945

    April: Pétain kehrt nach Frankreich zurück, wo er sofort in Haft genommen wird. Auf Betreiben der provisorischen Regierung de Gaulle wird er wegen Kollaboration und Hochverrat vor Gericht gestellt.

(mw)
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