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In der südlich von Berlin gelegenen Lausitz lebt eine von vier in der Bundesrepublik anerkannten autochthonen, also altansässigen nationalen Minderheiten: die Sorben, die auch Wenden genannt werden. Sie bilden das kleinste slawische Volk und pflegen eine eigene Sprache und Kultur. Trotz einer jahrhundertelangen Germanisierung stellte das sorbische Volk bis weit ins 20. Jahrhundert in der Lausitz die Bevölkerungsmehrheit dar, doch durch die Zerstörung seiner Dörfer durch den Braunkohletagebau hat sich sein Lebensraum stark verkleinert, die Zahl der Sorbisch sprechenden Menschen verringert sich, sorbische Kultur und Identität sind bedroht.

Um die Sichtbarkeit sorbischer Filmkultur und das Interesse an sorbischer Filmgeschichte ist es kaum besser bestellt. Wenngleich schon Anfang der 20. Jahrhunderts Sorbinnen und Sorben vor und hinter der Kamera standen, hat sich die Filmgeschichtsschreibung wenig für den sorbischen Film interessiert. Auf dieses Manko reagiert die jüngst in der Schriftenreihe der DEFA-Stiftung erschienene Monografie Sorbische Filmlandschaften / Serbske filmowe krajiny der Film- und Kulturwissenschaftler Grit Lemke und Andy Räder. Die von ihnen kuratierte Filmreihe gibt erstmals einen umfassenden Überblick über das sorbische Filmschaffen vom Kaiserreich bis in die Gegenwart. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Produktionen der DEFA und der Babelsberger Filmhochschule aus den Jahren 1946 bis 1992. Zahlreiche Filme entstanden in dieser Zeit, vor allem in der DEFA-Produktionsgruppe „Sorbischer Film“ („Serbska filmowa skupina“) in Bautzen/Budyšyn. Von 1980 bis zur Auflösung der DEFA wurden fast 40 Filme in ober- und niedersorbischer Sprache produziert, von denen meist auch deutsche Fassungen hergestellt wurden – eine historisch und international beispiellose Förderung der Filmkunst einer ethnischen Minderheit bzw. eines indigenen Volkes.

Die Filmauswahl der Reihe bewegt sich vom opulenten Spielfilm über den klassischen Kulturfilm, propagandistisch gefärbte oder ethnografische Dokumentationen zum künstlerischen Dokumentarfilm und experimentellen Formen einer neuen, selbstbewussten Generation sorbischer Filmschaffender. Sie kreist auch um Fragen der Blickperspektiven. Inwiefern folgt die Darstellung sorbischen Lebens einem von außen kommenden, möglicherweise kolonial geprägten Blickwinkel? Wie wichtig sind Innenperspektiven? Spielen Stereotype eine Rolle? Wird Sorbisch gesprochen? Themen sind neben der sorbischen Filmproduktion bei der DEFA auch die Unterdrückung der Sorben in der Zeit des Nationalsozialismus und der vor allem weibliche Widerstand dagegen, Bräuche und Traditionen, die nationale Identität und der Zusammenhang von ökologischer Katastrophe und ethnischer Zerstörung. Sofern verfügbar werden die sorbischen Fassungen der Filme gezeigt. (Grit Lemke, Andy Räder)

Wir danken dem Sorbischen Kulturarchiv am Sorbischen Institut in Bautzen, der Stiftung für das Sorbische Volk, der Domowina/Regionalverband Niederlausitz, dem Archiv der Alltagskultur des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen und dem Deutschen Rundfunkarchiv für ihre Unterstützung.