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Was will ein Flapper eigentlich? Strebt er nach teuren Pelzmänteln und schicken Autos, nach Champagner, Tanzvergnügen und einem Millionär als Begleiter? Sind Flapper bloß oberflächliche Materialisten? Pink Watson jedenfalls, die von reichen Prinzen träumt und in Gedanken kunstvolle Luftschlösser errichtet, hält es nicht länger in der Provinz aus. Sie geht nach New York und wird Telefonistin in einem Luxushotel. Statt des erwünschten Ölmagnaten lernt sie dessen etwas unbeholfenen Diener kennen, der schließlich ihr Herz erobert.

Orchids and Ermine, der in Deutschland unter dem Titel Fräulein, bitte Anschluß lief, bietet nicht nur sehr witzige Zwischentitel (einmal ist darin auch von einem männlichen Flapper die Rede) und eine wunderbare Liebesszene auf dem Deck eines New Yorker Busses im Regen. Der größte Trumpf ist Colleen Moore (1899-1988), die äußerst agile Hauptdarstellerin. Sie steht in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre auf dem Gipfel ihrer Popularität und ist in Deutschland die beliebteste amerikanische Komödiantin. Hingerissen schreibt die Berliner Morgenpost: „Die Würze gibt diesem leichten Spiel doch erst die reizende Colleen Moore, ein echtes Lustspieltemperament, von quecksilbriger Beweglichkeit und einem bezaubernden Scharm, dem der Schalk im Nacken sitzt und tausend Teufelchen aus den Augen blitzen. Ihre muntere Drolligkeit teilt sich unwiderstehlich mit. Das Publikum amüsierte sich prachtvoll.“ (26.1.1928) Nach dem Ende ihrer Filmkarriere 1934 betätigte sich Moore als Konstrukteurin eines großen Puppenhauses, das in Chicago in einem Museum steht, sorgte sich um die Erhaltung ihrer Filme und bewies 1969 mit dem Buch How Women Can Make Money in the Stock Market eine ganz und gar flapperhafte Weltzugewandtheit. (ps)

Begleitet von Richard Siedhoff (Flügel) und Mykyta Sierov (Oboe). Richard Siedhoff (Weimar) hat an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar Musikwissenschaft studiert und tritt seit 2008 als Stummfilmpianist auf. Er gastiert regelmäßig im Filmmuseum München und bei den Internationalen Stummfilmtagen in Bonn; im Lichthaus Kino Weimar kuratiert er das Stummfilmprogramm. Neben eigenen Klavierkompositionen und -improvisationen für Stummfilmkonzerte und DVD-Einspielungen schreibt er Filmmusiken für Kammerensemble und klassisches Stummfilmorchester. Der Oboist Mykyta Sierov hat in Kiew und Weimar studiert und ist als freischaffender Solist und Orchestermusiker tätig. Mit verschiedenen Kammermusikgruppen spielt er nicht nur klassische Musik, sondern auch Jazz und Pop sowie eigene Kompositionen. Gastspiele führten in u.a. nach Indien, in den Tschad, nach Frankreich, in die Ukraine und die Niederlande.