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Zu Gast: Rita Azevedo Gomes

Viele Filme von Rita Azevedo Gomes sind verschachtelte Werke. Sie gleiten zwischen Spiel- und Essayfilm, zwischen unterschiedlichen Zeit- und Bildräumen oder gleichen collagehaften Gedichten, zu denen das Publikum, wenngleich emotional berührt, erst einen Zugang finden muss. Demgegenüber scheint Frágil Como o Mundo, Azevedo Gomes‘ zweiter abendfüllender Spielfilm, ein Werk der Klarheit und Geradlinigkeit zu sein – zumindest bis schließlich in die tiefromantische Liebesgeschichte doch noch das Mystische Einzug hält. 

Vera und João sind ein junges Paar. Aber ihre Liebe darf nicht sein. Sie soll ein Geheimnis bleiben. An einem mit Stacheldraht umwickelten Zaunpfahl hinterlassen sie sich Zettel mit Liebesbotschaften. Die landschaftliche Weite dieses Ortes bleibt im Film eine Ausnahmeerscheinung, denn dessen eigentliche Geschichte spielt in einem nebelverhangenen Wald, den die Schwarzweißfotografie Acácio de Almeidas zu einer dritten Hauptfigur erhebt: Eines Tages beschließt das Liebespaar, Familie und Freunde hinter sich zu lassen. Es dringt – während die Stimme eines Märchenerzählers einsetzt – ins Dickicht des Waldes vor. Für dieses Land hinter dem Regenbogen findet die Kamera atemberaubende Farbtableaus, die die vormaligen holzschnittartigen Schwarzweißbilder durchbrechen. Ob Vera und João das Paradies finden? (ts)

Frágil Como o Mundo