Direkt zum Seiteninhalt springen
Zu Gast: Rita Azevedo Gomes

Schon nach wenigen Minuten ist klar: Danièle Huillets und Jean-Marie Straubs Moses und Aron ist einer der ungewöhnlichsten Opernfilme der Filmgeschichte. Nachdem Huillet mit gebrochenem Deutsch eine Passage aus dem alttestamentarischen Zweiten Buch Mose vorgetragen hat und der Vorspann mit einer Widmung an den RAF-Terroristen Holger Meins endet, fixiert eine lange, statische, eng kadrierte Einstellung von schräg links den Hinterkopf eines älteren Mannes. Zur Musik Arnold Schönbergs, auf dessen Opernfragment aus den 1930er Jahren der Film basiert, reckt er langsam den Kopf gen Himmel und beginnt zu singen. 

Ungewöhnlich inszeniert ist die Szene schon deshalb, weil sie uns den Blick auf das Gesicht von Günter Reichs Moses verwehrt. Mehr noch: Der reduzierte, ja „spröde“ Bildaufbau mit beigem Prophetengewand auf beigem Wüstenhintergrund gibt den Ton für die nächsten gut hundert Minuten Ausdrucksverdichtung inmitten eines antiken Amphitheaters vor. „Aber wie Schönberg bewiesen hat, daß man aus einer Zwölftonreihe ein ganzes Werk entwickeln kann, so besitzt auch die ‚Minimal Art‘ von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet ihre Subtilitäten, ihre Variationen, ihre kompositorischen Vielfältigkeiten. (…) Ja, innerhalb eines so radikal eingeschränkten, verdichteten ästhetischen Kosmos haben Veränderungen (…) größere Bedeutung“ (Wolfram Schütte, Frankfurter Rundschau, 28.3.1975). (ts)

Moses und Aron