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Die Nibelungen ist ein Zweiteiler wie aus einem Guss: ein Mittelalterepos, das Reinl dank seines Regiepragmatismus und seines Gespürs für kurzweilige Unterhaltung als zwei handliche Neunzigminüter zu gestalten vermochte. Überwiegt in Siegfried von Xanten, dem ersten Nibelungen-Teil, noch die statuarische Dramatik sich bedächtig entfaltender Figurenkonflikte, steht Kriemhilds Rache ganz im Zeichen der Kinetik. Die titelgebende Rache bricht sich Bahn, das Gemetzel beginnt. Um den Mord an ihrem Ehemann Siegfried und deren Kind zu rächen, heiratet die fehlbesetzt von Maria Marlow verkörperte Kriemhild den mächtigen Hunnenkönig Etzel – gewohnt charismatisch: Hollywoodstar Herbert Lom. Es kommt, wie es das Schicksal diktiert. Die Burgunder um König Gunther und der Siegfried-Mörder Hagen von Tronje treffen in Etzels archaischer Burg ein, einem Hinterhalt in die Arme laufend. Am Ende: viel Theaterblut, kaum Überlebende.

Die Erfahrungen, die Reinl bei den Massenszenen der Winnetou-Western sammeln konnte, halfen ihm, spannungs- und bildnerisch abwechslungsreiche Actionszenen zu gestalten. Und Reinl blieb weiterhin ein Regisseur der Physis: Noch Ende der 60er Jahre wendet er sich den Kinoserien um die Spezialagenten Jerry Cotton und Kommissar X zu. Moderne statt Mythos. (ts)

Die Nibelungen