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Einführung: Annette Brauerhoch

Schon die Exposition offenbart die inszenatorischen Qualitäten des gesamten Films, der zwischen entschleunigtem Melodram und Kriegsfilmkinetik pendelt: ein elegantes Hinübergleiten von Szenerie zu Szenerie, zwischen expressiven und semi-dokumentarischen Bildern changierend. Solange du lebst entführt uns ins Getümmel des Spanischen Bürgerkriegs. Flieger überraschen die sich einen Bergpfad entlangschlängelnden Soldaten, kurz darauf setzt die mit kraftvollen Close-Ups inszenierte Evakuierung eines Dorfes angesichts vorrückender Internationaler Brigaden ein. Hier sehen wir zum ersten Mal Teresa, die Verlobte des lokalen Kommandeurs der Franco-Truppen, ausdrucksstark gespielt von Marianne Koch. Beim Überqueren eines kargen Felsmassivs rettet sie, während in der Ferne die Gefechte toben, dem deutschen Kampfpiloten Michael das Leben, ebenfalls überzeugend: Adrian Hoven. Teresa versteckt den Soldaten der Legion Condor, beginnt ihn zu pflegen, verliebt sich. Leisere Passagen setzen ein.

Kann die souveräne Machart des Films dessen Story kaschieren? Nicht erst heute reibt man sich – immerhin ein deutscher Film von 1955 – die Augen. Auch Teile der zeitgenössischen Presse kritisierten die formschön verpackte Ideologie. Der Tagesspiegel sprach von „Nazi-Verherrlichung“, die Berliner Stimme von „nachträgliche[r] Humanisierung und Legalisierung“ der „wieder sagenumwobenen Legion Condor“. (ts)

Annette Brauerhoch ist emeritierte Professorin für Filmwissenschaft und Mitherausgeberin der Zeitschrift Frauen und Film. Zu ihren Interessensgebieten gehören Geschlechterverhältnisse im internationalen Genrekino. 

Solange du lebst