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Eine schwarze Komödie, ein ungemütlicher Re-Education-Film für Besiegte und Sieger, ein Starfilm mit Marlene Dietrich – und auch das: ein Berlinfilm. Billy Wilder entwickelte den Stoff für A Foreign Affair 1945, als er als Offizier der U.S. Army erstmals seit seiner Emigration nach Berlin zurückkehrte und an Die Todesmühlen mitarbeitete, einem Film mit dokumentarischen Aufnahmen aus den befreiten Konzentrations- und Vernichtungslagern. Wie Robert Siodmak, Eugen Schüfftan und Edgar G. Ulmer überlebte er selbst die Judenverfolgung im amerikanischen Exil. Der Fünfte in ihrem Bunde, Moritz Seeler, kam genauso wie Wilders nächste Angehörige im Holocaust um.

Gedreht wurde A Foreign Affair 1947. Die Premiere war 1948, im Jahr der Blockade. Die Handlung dreht sich um die Berlin-Reise einer Delegation amerikanischer Politiker im Jahr 1946, die sich ein Bild von der Moral der Besatzungssoldaten machen wollen. Zu sehen bekommen sie das Ausmaß von Hunger und Zerstörung, die Sehnsucht nach Zerstreuung, verbotene Liebesbeziehungen, Korruption, untergetauchte Nazis. Würde es nicht mehrfach gesagt, würde niemand die Ruinenlandschaften des Films für die gleiche Stadt halten, der Wilder und seine Mitstreiter achtzehn Jahre zuvor einen Moment filmischer Glückseligkeit abgerungen hatten. „Amerikanismus war im Film noch nie so frei (…). Dieser Film sollte allen deutschen Spöttern zeigen, was Demokratie ist. Hollywood hat Deutschland ein geistiges Carepaket gesandt, das unbezahlbar ist.“ (Ernst Jäger, Filmwoche, 1948) (ps)

A Foreign Affair

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