
In einem fiktiven Staat bricht der Totalitarismus aus. In dynamisierten, kontrastreichen Schwarzweißbildern stürmen bewaffnete Schergen Häuser, brandschatzen und tilgen die Insignien der alten Ordnung. Schilder verkünden die neue Staatsdoktrin: „Für das Privateigentum“, „Nieder mit der Religion!“ Der Kampf gegen jede Form öffentlicher Religionsausübung oder „religiöser Propaganda“, wie es im Film heißt, mutet – ebenso wie der Kinnbart des diktatorischen Ortsvorstehers – bolschewistisch an, wozu das Beharren auf Privateigentum so gar nicht passen mag. Ansonsten scheint der zur Produktionszeit erst kurz zuvor überwundene Nationalsozialismus gemeint zu sein. Darauf deutet zumindest die parabelhafte Vorlage des Films, der Roman Das Gipfelkreuz, hin. Dessen Autor Karl Loven entwarf darin in der Figur des im Nationalsozialismus verfolgten Priesters eine autobiografisch grundierte Person, die nach der Machtübernahme in seine Heimat zurückkehrt und sich gegen die Diktatur zunächst im Verborgenen, dann offen zur Wehr setzt.
Gesetz ohne Gnade ist ohne Parallelen im frühen BRD-Kino, ein Film voller unorthodoxer, kruder Einfälle, die im Kino des späteren Genre-Routinier Reinl nicht mehr auftauchen. So darf in Gesetz ohne Gnade der Autor Karl Loven selbst die Hauptrolle übernehmen und in hölzerner Art den Priester verkörpern. Aber vielleicht passt dessen deklamatorischer Stil zu einem Film, der auf Zwischentöne verzichtet und stets den Maximaleffekt, den direktesten Weg in die Köpfe des Publikums sucht. (ts)
Gesetz ohne Gnade
- AT/BRD 1951
- Digital SD
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R: Harald Reinl, B: Karl Loven, K: Josef Plesner, M: Giuseppe Becce, D: Karl Loven,Harriet Geßner, Rudolf Schatzberg, Gerd Deutschmann, Franz Trager, Jan Boon, 88‘