
Eine bitterböse Tour de Force durch die tschechisch-slowakische Geschichte vom Kriegsende 1945 bis zum Maifeiertag 1990, an dem das totalitäre kommunistische Regime mit einem Umzug überlebensgroßer Pappköpfe ehemaliger Apparatschiks auch symbolisch zu Grabe getragen wird. Papierové hlavy ist ein epochales Werk, eine aufklärerische Meditation über Freiheit und Unfreiheit, in der Dušan Hanák die quasi offizielle Geschichtsschreibung des Landes, wie sie sich beispielsweise in Wochenschauen manifestierte, mit Aussagen ganz normaler Tschechen und Slowaken kontrastiert. Vertreibung und Ermordung Sudetendeutscher kommen dabei ebenso zur Sprache wie die Säuberungswellen und Schauprozesse mit ihren erzwungenen Geständnissen nach dem kommunistischen Putsch von 1948. Spektakuläres Archivmaterial – etwa vom Slánský-Prozess (1952) oder vom Colorado-Käfer aus den USA, der es auf die Kartoffelernte abgesehen hat – offenbart ein wahnhaft paranoides System, das Leben und Alltag in der Tschechoslowakei über Jahrzehnte prägte.
Zum Auftakt: Voda a práca von Martin Slivka mit einem Score von Ilja Zeljenka – ein slowakischer Kurzfilm über Wasserkraft und Arbeit, der ethnografisches Interesse und avantgardistische Formensprache vereint. (mo)
Michal Hvorecký ist slowakischer Schriftsteller und Aktivist.
Papierové hlavy
R/B: Dušan Hanák, K: Alojz Hanusek, 96’
Voda a práca
R: Martin Slivka, K: Jozef Grussmann, 9’