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Einführung und Vorstellung des Buches Geschichten erzählen mit Günter Agde

Der Schriftsteller Günther Rücker (1924-2008), vertraut mit ganz unterschiedlichen Genres, gehörte lange Jahre zu den prägenden Künstlern der DDR-Filmproduktion. Er verfasste Szenarien und Drehbücher, adaptierte die Stoffe anderer Autoren, bei manchen Filmen führte er sogar selbst Regie. Rückers Texte zeichnen sich durch eine psychologisch tief auslotende Figurenführung und eine konsequente Konfliktgestaltung aus. Dies gilt auch für den Film Wolz. Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten, für den Rücker das Szenarium schrieb. Sein Protagonist Ignaz Wolz ist an ein historisches Urbild angelehnt, den vogtländischen Anarchisten Max Hoelz (1889-1933). Die kapitalistischen Kriegsgewinnler hassend, beginnt Wolz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, reiche Bourgeois zu enteignen und ihren Reichtum an Bedürftige weiterzugeben. Seine Attacken verschaffen ihm landesweit Popularität, doch aus dem organisierten Klassenkampf hält er sich heraus, was ihn in heftige Konflikte verwickelt. 

Rücker hatte große Schwierigkeiten bei der Realisierung des Szenariums, da die DDR-Geschichtsschreibung das Bild von Max Hoelz verklärte und alle Widersprüche parteikonform glättete. Nichtsdestotrotz konnte der Film entstehen – im Gegensatz zu zahlreichen anderen Filmerzählungen, die Rücker verfasste und die unverfilmt blieben. Ihnen hat der Filmhistoriker Günter Agde jüngst eine in der Edition Schwarzdruck erschienene Publikation gewidmet: Geschichte erzählen. Sechzehn nicht realisierte Filmerzählungen aus vier Jahrzehnten. (ga)

Wolz. Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten