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Steffen Vogt

Der fliegende Holländer

Einzigartig ist diese Adaption des Fliegenden Holländers gleich in mehrfacher Hinsicht: Es ist der einzige Kinofilm des renommierten Opernregisseurs Joachim Herz, der sich zudem nicht mit einer einfachen Aufzeichnung seiner Operninszenierung zufriedengab, sondern nach originär filmischen Ausdrucksmitteln suchte, die die Leinwand förmlich zu sprengen scheinen. Der Film beginnt der Handlung entsprechend im engen Normalformat des Stummfilms, doch mit dem ersten Auftritt des fliegenden Holländers weitet sich die Leinwand auf das Breitwandformat Totalvision – wie Cinemascope in der DDR genannt wurde. Denn Herz erzählt die Wagnersche Geschichte der Fischerstochter Senta als die einer Hauptfigur, die sich in der starren Gesellschaft des 19. Jahrhunderts eingeengt fühlt und sich in ihre Fantasie flüchtet. Innen- und Außenräume spiegeln die Verfassung der Figuren wieder. Senta, ihr Vater, ihr Verehrer Erik und die Seemänner schreiten durch Bilder die buchstäblich größer als das Leben sind, durchzogen von einer harschen Romantik, die nicht selten an den deutschen Stummfilmexpressionismus der 1920er Jahre erinnert. Ähnlichkeiten zu Murnaus Nosferatu sind nicht von der Hand zu weisen, im Gegenteil: Sowohl der Vampir als auch der verfluchte Seemann können als Ausdruck eines „romantischen Weltschmerzes“ (Hans Meyer) gelesen werden. (mbh)

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