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Einführung: Jörg Becker
Eintritt frei

Dass nur noch zwei Jahre bis zum Fall der Berliner Mauer verbleiben würden, war 1987 schwer vorstellbar. Als Wim Wenders jedenfalls im selben Jahr seinen Himmel über Berlin drehte, stand sie noch felsenfest. Nur Film-Engel konnten sie ungehindert passieren – die materielle Welt existiert für sie nicht. Erst als sich Damiel, einer dieser über Berlin schwebenden, ätherischen Wesen, in eine Frau verliebt, gewinnen Gebäude, Straßen, Menschen für ihn Kontur, Farbe und Geruch. Allerdings wird er durch seinen Übertritt auch sterblich. Dieser Preis scheint ihm angemessen. 

Der Himmel über Berlin ist ein Phänomen: Teilweise fast dokumentarisch den West-Berliner Biotop jener Zeit einfangend, teilweise hemmungslos schwelgend im Märchenhaften, spiegelt der Film doch auf einmalige Weise eine für immer verschwundene Befindlichkeit. Das traumwandlerische Spiel von Sander und Ganz, die Musik von Nick Cave oder Crime and The City Solution, die Texte von Peter Handke – die scheinbar heterogenen Momente des Films vereinen sich zu einem letztlich harmonischen Mosaik. Wenn die Kamera in einer Szene zwanglos durch die Mauer zwischen West- und Ost-Berlin fährt, so findet zumindest dieses Wunder im Nachhinein eine irdische Erklärung: Der DEFA-Kameramann Thomas Plenert filmte heimlich die Aufnahmen im Osten, Hanns Zischler schmuggelte das Filmmaterial anschließend in den Westen. (cl)

Jörg Becker ist Historiker, Filmpublizist und Vermittlungsreferent an der Deutschen Kinemathek.

Der Himmel über Berlin