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„Die Leute sollen lachen, quietschen, rasen“, schreibt der Film-Kurier am 4. September 1926 nach der Premiere von Die Kleine vom Varieté. Ossi Oswalda spielt eine messerwerfende Varietékünstlerin, die einen arbeitslosen Zahnarzt liebt, der wiederum auf Wunsch eines reichen Onkels ein Mädchen aus der Provinz heiraten soll. Die daraus resultierenden Verwirrungen bieten Oswalda Gelegenheit für ihre berühmten Temperamentsausbrüche, für Versteckspiele in Männerkleidung, Komik und Anarchie. Auch Vivian Gibson als vermeintlich biederes Mädchen vom Lande trägt Monokel, sorgt mit ihrer Jazzband für schräge Töne und hat es überhaupt faustdick hinter den Ohren. „Flottes Tempo, atemberaubende Spannung und zwerchfellerschütternde Situationen. (…) Messer blitzen, Revolver krachen, es regnet Küsse und hagelt Ohrfeigen“, bilanzierte die Tägliche Rundschau am 5. September 1926.

In Die Kleine vom Varieté platzt Ossi Oswalda (1897-1947) förmlich vor Energie und erweist sich einmal mehr als begnadete Komikerin, die ihren Schwestern aus Amerika in nichts nachstand. Bekannt wurde die gebürtige Berlinerin vor allem durch ihre Zusammenarbeit mit Ernst Lubitsch; sie galt als deutsches Äquivalent von Mary Pickford. Auch nachdem Lubitsch nach Hollywood gegangen war, blieb sie ein Publikumsliebling, und Die Kleine vom Varieté führt den Grund dafür vor Augen. Dass der Film so gut ankam, hatte allerdings auch mit Oswaldas hochkarätigen Kollegen zu tun, die in den Jahren danach in die erste Reihe der deutschen Filmkünstler aufrückten – darunter die Regisseure Hanns Schwarz und Wilhelm Thiele und der Schlagersänger Max Hansen. Sie alle drückten der musikalischen Komödie der frühen Tonfilmzeit ihren Stempel auf. Und alle drei mussten 1933 aus Deutschland emigrieren. Die Kleine vom Varieté war überdies der letzte Film des 1927 gestorbenen Produzenten Paul Davidson, einem Pionier des deutschen Film- und Kinowesens, Lubitsch-Förderer und ehemaligem Ufa-Direktor. (ps)

Begleitet von David Schwarz (Flügel) und Thomas Prestin (Saxophon). David Schwarz studierte Jazz-Klavier in München, Weimar und Jerusalem und Filmmusik an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Er ist Multiinstrumentalist, Arrangeur und Komponist und hat als Theatermusiker, Schauspieler und Komponist an Produktionen u.a. im Schauspiel Frankfurt, Schauspielhaus Graz und Theater Oberhausen mitgewirkt. Thomas Prestin hat in Weimar Saxophon und Klarinette studiert, war Mitglied von Saxophon-Quartetten und Rock‘n’Roll-Bands und gastierte u.a. in USA, Mexiko, Venezuela, China und Algerien. Er ist daneben im Theaterbereich aktiv, zuletzt in Erfurt, Schwerin und Bamberg. Er lebt in Berlin.