Direkt zum Seiteninhalt springen

Sie liegen wie das Allerheiligste in einem Tabernakel: Richard Wagners Originalpartituren. Werner Herzogs Taschenlampe leuchtet nur kurz über die lichtempfindlichen Schätze, ehe der Filmemacher das Publikum mit auf die Couch nimmt, auf der Wagner 1883 in Venedig gestorben ist. Sie steht abgesperrt hinter einer roten Kordel im Wagner-Museum in Bayreuth, denn die Besucher*innen haben schon viel zu häufig einen Faden aus dem Möbelstück gezogen, um eine Reliquie des Komponisten zu besitzen.

Herzogs Film über den grünen Hügel interessiert sich gleichsam für den Wagnerkult wie für die Kulturwerkstatt der Festspiele. Ein paar Jahre nachdem er dort selbst den Lohengrin inszeniert hat und in seinen ersten Plänen das Festspielhaus mit einem aus Findlingen bestehenden Kreis zur germanischen Thingstätte erklären wollte, kehrt der Filmemacher nach Bayreuth zurück und gewährt einen Blick hinter die Kulissen. Er trifft auf Placido Domingo, Daniel Barenboim und Wolfgang Wagner. Doch mit der Taschenlampe gelingen ihm die eindrücklichsten Momente, wenn beispielsweise ein seit Jahrzehnten im Festspielhaus beschäftigter Feuerwehrmann voll Leidenschaft den Lohengrin mitsingt. (mbh)

Weitere Termine