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Video-Einführung: Christoph Huber

Nach dem Großen Kantō-Erdbeben von 1923 breitete sich in Japan ein Klima von Chaos und Aufruhr aus. Die verheerende Naturkatstrophe und durch sie ausgelöste Stadtbrände forderten über 100.000 Tote, zahlreiche Menschen verloren über Nacht ihr Hab und Gut. Im Nachgang des Bebens wurde das Kriegsrecht ausgerufen und es kam zu teilweise regierungsgestützten Ausschreitungen gegenüber koreanischen Einwanderern und politischen Abweichlern. Aber auch linksrevolutionäre Zusammenhänge verstärkten ihre Aktivitäten und versuchten den Ausnahmezustand zum gewaltsamen Umsturz zu nutzen. Vor diesem explosiven zeitgeschichtlichen Hintergrund verschränkt Takahisa Zeze in seinem dreistündigen Historienepos die Geschichte zweier Opponenten-Gruppen zu einer in atemlosem Tempo vorgetragenen Meditation über politisches Rebellentum und Emanzipation.

Die anarchokommunistische Terrorgang Guillotine Society unter ihrem Quasi-Anführer Tetsu versucht nach der Exekution des Syndikalisten Ōsugi Sakae mehr schlecht als recht den Staat über Racheanschläge zu destabilisieren. Gegen Tradition und Gesellschaft kämpft indes auch eine wandernde Truppe Sumo-Ringerinnen, der unter anderem die von ihrem gewalttätigen Ehemann geflohene Kiku und die koreanischstämmige Ex-Prostituierte Tamae angehören. Beide Gruppen treffen in der Peripherie Tokios aufeinander – und geraten zunehmend ins Visier der Autoritäten und nationalistischer Rackets.

Über zwei Dekaden entwickelte Takahisa Zeze sein aufwändig ausgestattetes Spät-Taishō-Ära-Spektakel. Das stilistisch wendige, hochenergetische Ergebnis ist eine der aufregendsten Seherfahrungen der 2010er-Jahre. Newcomerin Mai Kiryû, die hier als Kiku in ihrem ersten Leinwand-Auftritt überhaupt zu sehen ist, erhielt für ihre Hauptrolle 2018 den Gemstone Award auf dem Tokyo International Film Festival. (chl)

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