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Marlene Dietrich hatte Emil Jannings in Der blaue Engel die Show gestohlen, für seinen zweiten Film nach der Rückkehr aus Hollywood ist die Ufa bei der Besetzung der weiblichen Hauptrolle vorsichtiger. Engagiert wird die junge, blonde und „reine“ Renate Müller, die im Abendkleid wie im Dirndl eine gute Figur macht. Müller spielt Agathe, die treusorgende Gattin des gefeierten Tenors Albert Winkelmann (Jannings), der sie – obwohl kinderlos und deutlich jünger – fortwährend „Mama“ oder „Muttchen“ nennt. Winkelmann ist der sprichwörtliche „Liebling der Götter“, dem die ganze (Frauen-)Welt zu Füßen liegt, bis ihm auf einer Südamerika-Tournee die Stimme versagt und er sich an den Wolfgangsee zurückziehen muss. „Es ist an sich nichts Außergewöhnliches an dieser Geschichte von dem großen Tenor, der sich in alle Frauen verliebt, mit allen Frauen spielt und tatsächlich doch nur seine angetraute Frau Agathe liebt. Er will ein Kraftmensch sein, eine jener Gestalten, die Jannings besonders liegen.“ Das Gegenstück bildet Renate Müller, „ihrem sauberen Wesen, ihrem zart verhaltenen Spiel glaubte man es wohl, daß sie der ruhende Pol und die rechte Zufluchtsstätte sein konnte für das große Kindergemüt ihres Mannes. Diese Künstlerin ist in ihrer Natürlichkeit ein so wohltuender Anblick in der verschminkten Welt des Films, daß man ihn oft zu genießen wünschte.“ (Deutsche Allgemeine Zeitung, 14.10.1930) (fl)

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