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Mit ihrer elften Ausgabe erfuhr die documenta 2002 eine gewaltige zeitliche und räumliche Ausdehnung. Der eigentlichen Kunstausstellung in Kassel waren vier als Plattformen bezeichnete Symposien zu gesellschaftspolitischen Themen vorangestellt, die zwischen März 2001 und März 2002 in Wien bzw. Berlin, in Neu Dehli, auf der Karibikinsel St. Lucia und in Lagos stattfanden und denen teilweise Filmprogramme an die Seite gestellt wurden. So begleitete die Konferenz, die sich unter dem Titel „Experimente mit der Wahrheit“ unterschiedlichen Rechtssystemen und Prozessen der Wahrheitsfindung und Versöhnung widmete, ein eigenes Filmprogramm, zu dem auch der Dokumentarfilm Long Night’s Journey Into Day gehörte. Deborah Hoffmanns und Frances Reids mehrfach ausgezeichneter Film schildert vier Fälle der Truth and Reconciliation Commission (TRC), jener nicht unumstrittenen Einrichtung, die von 1996 bis 1998 in Südafrika eingesetzt wurde, um die politisch motivierten Verbrechen während der Zeit der Apartheit aufzuklären und

zu einer Versöhnung zwischen den Tätern und Opfern bzw. deren Hinterbliebenen beizutragen. Ist es angemessen, den Tätern im Gegenzug für die vollständige Enthüllung ihrer Verbrechen Amnestie zu gewähren? Kann das Aufdecken der Verbrechen mit einer Linderung der Schmerzen oder gar mit Vergebung einhergehen? Wie lässt sich ein zerrissenes Land heilen? (jf)

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