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Kurzfilmprogramm

Pytel blech / Ein Sack voll Flöhe

Pytel blech Ein Sack voll Flöhe CSSR 1962, R/B: Vera Chytilová, K: Jaromír Šofr, M: Jan Klusák, D: Helga Cocková, 43’ · 35 mm, OmU FR 28.10. um 19.30 Uhr · Einführung: Pavla Frýdlová Die erste Auftragsarbeit, die Vera Chytilová nach dem Studium an der FAMU übernimmt. Sie dreht im Lehrlingsheim einer Textilfabrik in Náchod, einer Stadt, in der notorischer Männermangel herrscht. Dabei entsteht kein Dokumentarfilm im engeren Sinn. Vielmehr entwickelt die Regisseurin aus der vorgegebenen Situation einen improvisierten Spielfilm, dessen subjektive Kamera uns durch den Internatstrubel führt. Diese Kamera steht für den Blick eines Mädchens mit Namen Eva. Und diese Eva kommentiert flüsternd aus dem Off das Drunter und Drüber im Schlafsaal, die Arbeit an riesigen Webmaschinen und schließlich die kollektive Zurechtweisung der wilden süßen Jana, die sich an keine Regeln hält. Janas vielsagende Blicke sind häufig auf Eva und damit auf uns Zuschauer*innen gerichtet, die Regisseurin macht uns so zu deren Kompliz*innen. Ein Haufen unbändiger Teenager, die es sehr zu den Jungen draußen vor dem Heim hinzieht und die sich mit Kissen bewerfen oder vom Schrank springen, sobald die Genossin Erzieherin hinter sich die Tür zumacht. Pytel blech wird von lustvoll geschmetterten Schlagern getragen und verweist mit seiner Vorliebe für das zugleich Unangepasste und Schöne auf das spätere Werk von Vera Chytilová. Kein „Konsumfilm in Farbe“, kein Imagefilm für die sozialistische Textilindustrie! (sasch) Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum.