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Jan Gympel
Eintritt frei

Schichtwechsel

Max von der Grün (1926-2005) galt in den sechziger Jahren als Paradebeispiel eines „Arbeiterdichters“. In dem nach seinem Originaldrehbuch entstandenen Film Schichtwechsel ist von der Arbeitswelt jedoch relativ wenig zu sehen: ein Schichtende, die Sorgen eines Betriebsrats, ein fruchtloser Protest bei einem Vorgesetzten, die Folgen der Arbeit in Form von Staublungen und eines Unfalls. Wichtiger ist, wie sich die Arbeitswelt und insbesondere ihre Veränderung in Gestalt der Kohleabsatzkrise und des Strukturwandels im Ruhrgebiet auf das Leben des Bergmanns Karl Schimanski auswirken: Auch sein Arbeitsplatz entpuppt sich als nicht so sicher wie er glaubte, seine erwachsenen Kinder wollen andere Wege gehen, die enge Zechenwohnung mit Garten und Taubenschlag unter dem Dach könnte gegen eine geräumigere in einem Neubaugebiet getauscht werden. Das vertraute Milieu löst sich auf.

Beobachtet wurde dies von einer ungewöhnlich beweglichen Kamera, welche fast jede Szene in einer einzigen Einstellung und mit vielen Großaufnahmen festhielt. Der über weite Strecken recht hektische Charakter des um Wirklichkeitsnähe bemühten Films wurde verstärkt durch die rasanten Dialoge, mit denen die Figuren weniger miteinander reden als aneinander vorbei und sich ständig anblaffen. Für die Regie von Schichtwechsel erhielt Hans Dieter Schwarze beim Adolf-Grimme-Preis 1969 eine Lobende Erwähnung. (gym)

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