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In den Archiven der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Deutschlands liegt ein kaum bekannter Schatz: Spielfilme teils prominenter Regisseure und/oder Drehbuchautoren, die hauptsächlich in den sechziger und siebziger Jahren entstanden, als die Rundfunkanstalten zugleich Übungs- und Experimentierfeld für Nachwuchsfilmemacher waren. Es handelt sich um reine TV-Produktionen, die in aller Regel auch nur im Fernsehen gezeigt wurden, dort allerdings ein Millionenpublikum erreichten. Auf diesen weitgehend vergessenen Teil der deutschen Filmgeschichte möchte die von Jan Gympel initiierte und mitkuratierte Reihe Aus dem Fernseharchiv hinweisen: Monatlich wird ein Fernsehspielfilm aus dem Bestand der Sammlung Fernsehen der Deutschen Kinemathek präsentiert.

Das erste Quartal 2022 widmen wir der Drehbuchautorin Eva bzw. Eva-Maria Mieke. 1938 in Thüringen geboren und dort auch aufgewachsen, hatte sie die DDR 1961 verlassen und im Westen Deutschlands zunächst mit Hörspielen von sich reden gemacht. 1968 wurde mit Der Eine und der Andere der erste Fernsehfilm nach einem Drehbuch von ihr realisiert (er lief im Juli 2017 in der Reihe Aus dem Fernseharchiv). Nach einem Jahrzehnt als festangestellter Dramaturgin, Autorin und Produzentin bei der Bavaria wurde Eva Mieke ab 1981 zu einer vielbeschäftigten freien Drehbuchautorin. An ihrem Schaffen ist bemerkenswert, dass sie relativ selten das schrieb, was zu ihrer Zeit als „typischer Frauenfilm“ galt, auch wenn mit der Miniserie Beate S. – Geschichte einer Zwanzigjährigen (1978/1979) und dem Zweiteiler Marleneken (1990) weibliche Entwicklungsgeschichten zu Eva Miekes größten Erfolgen zählen. Den von der Autorin häufig gewählten künstlerischen Ansatz lobte Walburga Feiden anlässlich der Erstausstrahlung von Drei Freundinnen: „Wie schon in früheren Arbeiten (zuletzt in Beate S.) entschied sich Eva Mieke gegen die Propagierung glatter Lösungen und für das exemplarische Durchspielen von (Un-)Möglichkeiten.“ (FUNK-Korrespondenz, Nr. 44, 31. Oktober 1979)

Aus dem Fernseharchiv ist eine Kooperation mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.

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