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Die Screwball-Komödie ist eng verknüpft mit dem von Stanley Cavell geprägten Begriff der Comedy of Remarriage. Cavell beschrieb damit eine wiederkehrende Konstellation im Hollywoodkino der 1930er und 1940er Jahre, in der es nicht um das erstmalige Zusammenkommen zweier Menschen geht, sondern um ihr erneutes Zueinanderfinden nach einem Bruch. In Leo McCareys The Awful Truth sind es die Eheleute Joe und Lucy Warriner (Cary Grant und Irene Dunne), die nach einer Reihe von Missverständnissen und Notlügen das Vertrauen ineinander verlieren und die Scheidung einreichen. Selbst der Richter scheint von der Ernsthaftigkeit der Krise jedoch so wenig überzeugt, dass er eine Bedenkzeit von 90 Tagen anordnet, nach der die Scheidung gültig wird – Zeit genug, damit sich die Dinge noch einmal verkomplizieren. Joe und Lucy finden sich jeweils in neuen Beziehungen wieder, weniger aus Überzeugung als aus Trotz, spielen einander das neue, unabhängige Leben vor – und merken dabei, was ihnen fehlt.

Der Comedy of Remarriage entsprechend liegt die Lösung des Konflikts in The Awful Truth nicht im Ausräumen seines Auslösers, sondern in einer veränderten Perspektive. Liebe erscheint nicht als plötzliche Einsicht oder als auf einmal wiederkehrendes Gefühl, sondern als Erinnerung an eine geteilte Praxis – an den Rhythmus, den man nur miteinander entwickeln konnte. (tk)

The Awful Truth

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