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Westler

Westler BRD 1985, R: Wieland Speck, B: Wieland Speck, Egbert Hörmann, K: Klemens Becker, Ivan Kocman, D: Sigurd Rachman, Rainer Strecker, Andy Lucas, Hans Jürgen Punte, 85‘ · 16 mm FR 10.07. um 21 Uhr Interessanterweise beginnt diese schwule, 1985 für das ZDF produzierte Ost-West-Liebesgeschichte nicht in Berlin, sondern in Los Angeles, am Pazifik, sozusagen dem Ende der westlichen Welt. Felix, Berliner Tourist, und Bruce, sein amerikanischer Freund, denken bei einem Kameraschwenk über Downtown L.A. über die „alte Westbewegung“ nach, die auch und vor allem für schwule Männer galt, die in Berlin seit 1979 jährlich einen „Christopher Street Day“ feierten. Danach allerdings bewegt sich Westler in die entgegengesetzte Richtung und entdeckt ein Ostberlin, das 1985 für die Westberliner exotischer war als Kalifornien. Felix lernt Unter den Linden Thomas kennen, und in den nächsten Wochen entwickelt sich zwischen ihnen – während der wöchentlichen Besuche, den Abschieden vor Mitternacht, zwischen ermüdenden und entwürdigenden Passkontrollen – eine überraschend entspannte und überhaupt nicht als solche problematisierte Liebesgeschichte. Damit erschließt Westler dem deutschen Queerkino einen neuen, geografisch nahen, aber gedanklich weit entfernten Raum, der mit herausgeschmuggelten Ost-Requisiten im Westen nachgebaut (Innenaufnahmen) oder illegal, tonlos, mit versteckter Super-8-Kamera „geraubt“ werden musste (Außenaufnahmen). Eine schöne Referenz ist das von Zazie de Paris im Film gesungene West of the Wall von Toni Fisher, das schon im Sommer 1962 das glückliche Ende einer durch die Berliner Mauer getrennten Liebesbeziehung in Aussicht stellte. (jk)