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Kurzfilmprogramm

Zakrojšcik iz Toržka / Der Schneider von Torshok

Zakrojšcik iz Toržka Der Schneider von Torshok UdSSR (Mežrabpom-Rus’) 1925, R: Jakov Protazanov, B: Valentin Turkin, K: Petr Ermolov, D: Igor’ Il’inskij, Ol’ja Žizneva, Anatolij Ktorov, Vera Mareckaja, Serfima Birman, Iosif Tolcanov, Vladimir Ural’skij, Eva Miljutina, Lidija Dejkun, 61‘ · 35mm, OmU DI 14.11. um 20 Uhr · Am Flügel: David Schwarz · Einführung: Barbara Wurm Vorprogramm: Literaturno-instruktorskij agitparochod VCIK ‚Krasnaja Zvezda‘ Literatur-Aufklärungs-Agitdampfer des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees ‚Roter Stern‘ RSFSR (Goskino) 1919, R: Dziga Vertov, K: Petr Ermolov, Aleksandr Lemberg, 15‘ · File, OmÜ Handeln die Soviet-20er-Klassiker meist vom Weg zum revolutionären Bewusstsein, so gibt es im Grunde nur wenig Filme, die direkt fragen, wie der Neue Staat zum Neuen Menschen kommt. Die NÖP-Komödie, das mal scharfe, mal augenzwinkernde Durch-den-Kakao-ziehen ‚buržuaser‘ Befindlichkeiten zur Zeit der Neuen Ökonomischen Politik ist ein Genre, das dies tut, besonders beim König der Sov-Satire – Jakov Protazanov: Hier begegnet der Kleinbürger auf dem Weg zur großen Liebe gerne auch staatlichen Institutionen. Und so erwirbt Petja Petel’kin, Provinzschneider aus Toržok (superb: der junge Il’inskij), als Hochzeitsgeschenk für die ihn gewaltsam unter die Haube zerrende Witwe Širinkina zufällig (für Alle ominöse) Staatsanleihen, welche ihn (auf aberwitzigen Umwegen naturgemäß) in die Arme der süßen Hausangestellten Katja führen. Gegen Popen und für Bildung geht es dabei ganz nebenbei – explizit dafür in Vertovs wertvollem Dokument jener Aufklärungsfahrten, bei denen Agitdampfer und -züge die neue Ideologie via alte und neue Medien (Bücher, Radio, Kino) in die Provinz bringen, begleitet von den Politaktivisten des Jungstaates, hier: Gen. Molotov und der Lenin-Gattin höchstselbst, Nadežda Krupskaja. (bw)