Reinhard Heydrich 1904-1942

NS-Politiker

  • 1904

    7. März: Reinhard Heydrich wird in Halle/Saale als Sohn des Opernsängers und Komponisten Bruno Heydrich und dessen Frau Elisabeth (geb. Krantz) geboren.

  • 1909

    Im kleinbürgerlichen Elternhaus lernt Heydrich bereits mit fünf Jahren Geige spielen und entwickelte damit eine musikalische Begabung, die er sein Leben lang behält.

  • 1914

    Aufgrund seiner schwachen körperlichen Konstitution beginnt er auf der höheren Schule Sport zu treiben, darunter auch Fechten, Segeln und Reiten.

  • 1920

    Heydrich schließt sich dem Freikorps Märker an und kommt dort mit rassistischen und antisemitischen Ideologien der Völkischen in Kontakt.

  • 1922

    Nach dem Gymnasialabschluß tritt er in die Reichsmarine ein.

  • 1923

    Als Seekadett beginnt er seinen Dienst auf dem Segelschulschiff "Niobe".

  • 1924

    Auf dem Schulkreuzer "Berlin" wird er zum Fähnrich befördert.

  • 1926

    Abschluß seiner Marineausbildung mit der Ernennung zum Leutnant.

  • 1926-1931

    Heydrich besucht die Marinenachrichtenschule, ist danach bei verschiedenen Nachrichtenstellen der Marinestation Ostsee. Er ist eine zeitlang auf der "Braunschweig" unter Wilhelm Canaris tätig und dient als Funkoffizier auf dem Flottenflaggschiff "Schleswig-Holstein".

  • 1928

    Beförderung zum Oberleutnant.

  • 1931

    April: Aufgrund einer nichteingelösten Verlobung wird er auf Betreiben von Admiral Erich Raeder "wegen ehrenwidrigen Verhaltens" aus der Marine verabschiedet.
    Juni/Juli: Heydrich findet Kontakt zu Heinrich Himmler und tritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) und in die Schutzstaffel (SS) ein. Weil Himmler fälschlicherweise seine Funkausbildung als Teil der militärischen Abwehr versteht, beauftragt er Heydrich mit dem Aufbau eines Nachrichten- und Überwachungsdiensts für die Partei, des späteren Sicherheitsdiensts (SD).
    Dezember: Heirat mit der Lehrerstochter Lina von Osten. Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor.

  • 1932

    Juli: Heydrich wird Leiter des neu geschaffenen SD, der organisatorisch Himmlers SS untersteht. Er ist mittlerweile zum engsten Mitarbeiter von Himmler geworden und in der SS-Hierarchie zum Standartenführer aufgestiegen.

  • 1933

    Februar: Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ist Heydrich Mitglied der deutschen Delegation bei den Genfer Abrüstungsgesprächen, wird aber wegen seines provozierenden Verhaltens zurückgeschickt.
    März: Nach dem Sturz der bayerischen Regierung unter Heinrich Held übernimmt er die bayerische politische Polizei. Hier vertritt er die systematische Abschreckung von oppositionellen Kreisen durch Einweisungen in das Konzentrationslager (KZ) Dachau.
    November: Der SD wird als fünftes Hauptamt innerhalb der SS direkt Himmler als Reichsführer SS unterstellt.

  • 1934

    Januar: Nach der Gleichschaltung der Länder erhält Heydrich auch die Kontrolle über die politische Polizei in den anderen Ländern mit Ausnahme von Preußen.
    April: Mit der Übernahme des Geheimen Staatspolizeiamts (Gestapa) in Preußen wird Heydrich zum Chef des engmaschigen Überwachungssystems und leitet gleichzeitig den politischen Nachrichtendienst der NSDAP.
    Juli: Für seinen wesentlichen Anteil an der als Röhm-Putsch verdeckten Mordaktion an der Führung der Sturmabteilung (SA) wird Heydrich zum SS-Gruppenführer ernannt.

  • 1936

    Heydrich wird Leiter der Sicherheitspolizei und des SD für das gesamte Deutsche Reich. Die politische Polizei der Länder wird reichseinheitlich zur Geheimen Staatspolizei (Gestapo) unter seiner Führung zusammengefaßt. Als Organisator baut er ein Kontroll- und Unterdrückungssystem auf und wendet Verfolgung, Einschüchterung und Erpressung als Terrormaßnahmen an. Seine nachrichtendienstliche Schlüsselposition nutzt er zu umfangreichen Dossiers über vermeintliche Regimegegner und Rivalen.

  • 1938

    Nach dem "Anschluß" Österreichs schickt Heydrich Adolf Eichmann nach Wien, um dort eine Zentralstelle zur Verfolgung und Ausweisung von Juden einzurichten.

  • 1939

    Alle bisherigen Kommandostellen der Gestapo, Kriminalpolizei und des SD werden im neu geschaffenen Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zusammengefaßt. Heydrich wird Chef des RSHA.
    31. August: Unter seiner Verantwortung wird der Überfall auf den Sender Gleiwitz von Angehörigen des SD ausgeführt, der als Vorwand für den Angriff auf Polen dienen soll.
    Heydrich ist im Zweiten Weltkrieg für die SS-Kommandos verantwortlich, die in den besetzten Gebieten Polens die Verfolgung und Tötung der intellektuellen Elite betreiben. Er organisiert auch die Einrichtung der Ghettos.

  • 1939/40

    Er überwacht die Beschlagnahmung jüdischen Eigentums und die Deportation von Juden aus Deutschland und Österreich in die Ghettos Polens.

  • 1941

    31. Juli: Weil die Gestapo mittlerweile maßgeblich an der Judenverfolgung beteiligt ist, wird Heydrich mit der "Endlösung der Judenfrage" beauftragt. Er ist damit Organisator des planmäßigen Massenmords an den verfolgten europäischen Juden in den besetzten Gebieten im Osten. Eichmann hat für das RSHA die Gesamtplanung dafür ausgearbeitet.
    29. September: Auf Anordnung Adolf Hitlers übernimmt Heydrich die Amtsgeschäfte von Konstantin Freiherr von Neurath und wird stellvertretender Statthalter für das als "Protektorat Böhmen und Mähren" bezeichnete Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei.

  • 1941/42

    Mit einer Mischung aus harter Unterdrückung, auch mit Massenhinrichtungen, und einer Befriedungspolitik durch Verbesserung der Lebensumstände versucht Heydrich, den Widerstand der tschechischen Oppositionsbewegung zu brechen. Ihm gelingt eine gewisse Stabilisierung der Verhältnisse, ohne eine echte Befriedung zu erreichen.

  • 1942

    20. Januar: Um den systematischen Massenmord an den Juden in Europa voranzutreiben, ruft er in Berlin die sogenannte Wannsee-Konferenz ein, welche die Aktivitäten von Staat und Partei besser koordinieren soll.
    27. Mai: Mehrere von der tschechischen Exilregierung in London geschickte Attentäter verüben in Prag einen Mordanschlag auf Heydrich, der als Demonstration seiner Befriedungspolitik ohne bewaffneten Schutz in Prag unterwegs ist. Sie beschießen seinen offenen Wagen und werfen eine Handgranate, Heydrich wird durch Granatsplitter schwer verletzt. Die Attentäter werden in einer Kirche von der SS eingeschlossen und getötet.
    4. Juni: Reinhard Heydrich erliegt in Prag seinen Verletzungen.
    10. Juni: Als Vergeltung für die Ermordung vernichtet die SS auf Befehl Kurt Dalueges das tschechische Dorf Lidice (bei Prag) und tötet sämtliche männlichen Einwohner über 15 Jahren, während Frauen und Kinder in KZ verschleppt werden. Ausgewählte Kinder werden zur "Germanisierung" in Erziehungsheime gebracht.

(mw)
lo