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Begleitet von Camille Phelep am Flügel

Ein armes Straßenmädchen ergattert frech und draufgängerisch die Rolle eines Chorus-Girls in einer Revue – und gewinnt obendrein das Herz des Theaterdirektors. André Picards Theaterstück Kiki von 1918 war bereits ein großer Bühnenerfolg, als es 1926 verfilmt wurde. Allerdings spielte nicht etwa die auch in Deutschland beliebte und auf Komödien spezialisierte Constance Talmadge die Titelrolle, sondern ihre Schwester Norma, die in Hollywood ein ebenso bedeutender Star war, sonst aber vor allem in Melodramen auftrat. Andererseits bildete Norma Talmadge (1894-1957) ein erfolgreiches Team mit ihrem Ehemann Joseph M. Schenck, der auch der Produzent von Buster Keatons Filmen war; dessen Ehefrau war wiederum Natalie Talmadge, die Schwester von Constance und Norma. Kurz gesagt: Komik lag den Talmadges irgendwie im Blut, und Kiki – nach einem Drehbuch von Ernst Lubitschs kongenialem Partner Hanns Kräly – ist der schönste Beweis dafür.

Dass die Hauptdarstellerin eigentlich schon etwas zu alt für die Rolle der Göre mit harter Schale und weichem Kern war, stört dabei keineswegs; als 1931 ein Tonfilm-Remake mit Mary Pickford gedreht wurde, war diese sogar schon fast 40 Jahre alt. So populär war der Stoff, dass 1932 auch eine deutsch-französische Verfilmung entstand, nun mit der hyperaktiven Anny Ondra. Die Berliner Kritiker waren schon 1927 begeistert, so auch Konrad Glück in der Berliner Morgenpost: „Norma Talmadge (…) versucht sich hier zum erstenmal in einem Schwank. Ihre Kiki ist ein ganz bezauberndes Geschöpf. Zusammengesetzt aus gaminenhafter Grazie, fröhlichster Ausgelassenheit, frischem Humor und echtem ungekünsteltem Gefühl. Man muß das sehen, wie sie diese Kiki spielt. (…) Das Lachen nimmt kein Ende bei diesem besten Filmlustspiel der letzten Zeit.“ (22.2.1927) (ps)