Sonntag, 23. August 2026, 15.30 Uhr
Die Hofnarrenchronik
Bláznova kronika

Eine Mär aus dem Dreißigjährigen Krieg, bei der Grimmelshausens Simplicissimus Pate gestanden haben könnte: die wechselvolle Geschichte des Bauernburschen Petr, der in eine Falle gelockt und rekrutiert wird. Bei erstbester Gelegenheit jedoch ergreift er die Flucht und erbeutet mit dem gewitzten Söldner Matěj zufällig eine Kutsche voll prächtiger Kleider. Der launische Sturmwind des Krieges führt die beiden friedlichen Waffenbrüder und ein als Hofnarr verkleidetes Mädchen namens Lenka schließlich auf ein Schloss, wo Petr von der Prinzessin umgarnt wird – doch hat dieser sein Herz da schon längst an Lenka verloren.
In Zeiten beliebiger, KI-generierter Bilderwelten wirkt die Ästhetik von Karel Zemans Film, die Animationen und gezeichnete Hintergründe mit Schauspielszenen kombiniert, nur umso verblüffender. Die bewusste Stilisierung sorgt für Verfremdung und entfaltet einen eigenen Zauber. Am Drehbuch zu diesem tragikomischen Antikriegsfilm war mit Pavel Juráček eine Schlüsselfigur der tschechoslowakischen Neuen Welle beteiligt.
Der Vorfilm Ruka, die letzte Arbeit des Puppentrick-Magiers Jiří Trnka, zählt zu den subversivsten Werken des tschechischen Kinos. Er zeigt einen Bildhauer, den eine riesige, bedrohliche Hand dazu zwingt, nur noch sie selbst verherrlichende Werke zu schaffen. (mo)
Claus Löser ist Kurator, Filmhistoriker und -publizist.
Die Hofnarrenchronik
R: Karel Zeman, B: Karel Zeman, Pavel Juráček, K: Václav Huňka, D: Petr Kostka, Miloslav Holub, Emília Vášáryová, Valentina Thielová, Karel Effa, Eva Šenková, 81´
Ruka
R/B:Jiří Trnka, K:Jiří Šafář, 17‘